Doping im Radsport : Mit "Wasser und Brot" geht es nicht

Der Doping-Arzt Eufemiano Fuentes hat sich öffentlich zu Wort gemeldet. Für Leistungen, wie sie etwa im Radsport bei der Tour de France erbracht werden, bedarf es seiner Ansicht nach einiger ''Nachhilfe''.

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Profi-Radsport. Ohne Doping nicht zu bewältigen? -Foto: ddp

BerlinFuentes trat bei einem Sportmediziner-Kongress zu Beginn der Woche in Gran Canaria nach langer Zeit wieder öffentlich auf. Zu den Vorwürfen gegen ihn äußerte sich der 52 Jahre alte Frauenarzt aus Madrid, über den auch der inzwischen zurückgetretene und unter schweren Doping-Verdacht geratene Jan Ullrich stolperte, nicht. Das Verfahren gegen den Arzt in Spanien ist in der Schwebe, nachdem die Staatsanwaltschaft Berufung gegen die Einstellung eingelegt hatte.

"Länder-Rundfahrten müssen sich radikal ändern"

Große Rundfahrten im Radsport, wie die Tour de France oder die Vuelta seien nicht "mit Wasser und Brot" zu bewältigen, "es sei denn, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 28 Stundenkilometern, aber nicht bei den üblichen 42", sagte Fuentes im Internetdienst "cyclingnews" und unterstrich damit indirekt, die aus einer Sicht vorhandene Notwendigkeit zu dopen. Die Länder-Rundfahrten müssten sich radikal ändern, "sonst werden sie verschwinden", meinte Fuentes weiter.

Die "Operacion Puerto" mit Fuentes im Mittelpunkt hatte im Mai 2006 für den größten Doping-Skandal im Radsport gesorgt. Die Auswirkungen, wie der Ausstieg des größten deutschen Sport-Sponsors Telekom nach 16 Jahren, sind noch heute zu spüren. Fuentes soll demnächst in Spanien im Prozess zwischen Ullrich und dem Molekular-Biologen Werner Franke aussagen.

Fuentes: Radprofis sind wie Minenarbeiter

"Radsport - das ist etwas aus der Vergangenheit mit vielen guten Erinnerungen", sagte Fuentes ("Ich habe noch viele Angebote"). Radprofis seien "wie Minenarbeiter, sie kennen ihr Risiko, aber es ist ihre Arbeit." Sport würde "die Gesundheit beeinträchtigen und Ärzte müssen helfen", erläuterte Fuentes, bei dem viele Radprofis, unter ihnen der geständige Jörg Jaksche, der weiter leugnende Ullrich und der gesperrte Italiener Ivan Basso Blutdoping vorgenommen haben sollen. Am Beispiel des an Herzversagen gestorbenen Fußballers des FC Sevilla, Antonio Puerta, kritisierte Fuentes, "dass zu wenig in Vorsorge-Untersuchungen investiert würde, aber zu viel in Strafen".

Nach einer Entscheidung des Hamburger Landgerichts soll Fuentes im Rahmen des Rechtsstreits zwischen Ullrich und Franke als Zeuge vernommen werden. Erstmals seien von Fuentes authentische Aussagen über sein Doping-Netzwerk zu erwarten: "Vielleicht sind ja auch Fragen nach anderen Sportarten erlaubt", hatte Franke erklärt.

Ullrich hatte Franke per Einstweiliger Verfügung die Behauptung untersagen lassen, er habe Fuentes im vergangenen Jahr 35.000 Euro zur Anschaffung von illegalen Substanzen gezahlt. Zuletzt sprach Franke sogar von insgesamt 120.000 Euro. Die Staatsanwaltschaft Bonn hat mittlerweile eine Ullrich-Überweisung an Fuentes von 25.000 Euro nachgewiesen. Neun bei Fuentes gelagerte Blutbeutel - insgesamt 4,5 Liter - wurden durch eine DNA-Analyse dazu eindeutig dem Ex-Kapitän des T-Mobile-Teams zugeordnet. (smz/dpa)

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