Doping in der DDR : "Es ist zu spät"

DDR-Dopingopfer wollen die Entschuldigung von belasteten Trainern nicht abwarten – der Verband hofft dagegen auf einen Aufbruch.

Friedhard Teuffel
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Vergeblich gewartet. Ines Geipel vermisst Reue der DDR-Dopingtrainer. Foto: dpa

Berlin - Noch haben die Täter keine Worte der Entschuldigung gefunden, aber wenn es nach den Opfern ginge, könnten sie sich die auch sparen. Vor einer guten Woche war bekannt geworden, dass Leichtathletiktrainer, die ins DDR-Dopingsystem eingebunden waren, eine Erklärung vorbereiten, in der sie ihre Schuld eingestehen und auf eine Weiterbeschäftigung auch mit öffentlichen Mitteln hoffen. Die Opfer wollten den Wortlaut jedoch nicht abwarten, um ihre Meinung darüber zu äußern. „Wir wollten nicht wieder reagieren“, sagt Ines Geipel, früher Sprinterin in der DDR und heute Autorin und Wissenschaftlerin. „Vielleicht muss man jetzt nach 20 Jahren einfach sagen: Es ist zu spät.“

In einer gemeinsamen Erklärung haben mehrere DDR-Dopingopfer, unter ihnen Geipel, das Vorhaben der Trainer als „durchsichtige PR–Aktion“ kritisiert: „Trainer, Ärzte, Funktionäre und Betreuer, die es in den vergangenen 20 Jahren nicht geschafft haben, sich klar zu ihrer Doping-Vergangenheit zu positionieren, haben im deutschen Sport und in der Nähe von Kindern und Jugendlichen nichts zu suchen.“

Geipel etwa fehlt das Verständnis dafür, dass die Trainer nicht viel früher ihre Beteiligung eingeräumt haben. „Es ist ihnen doch so leicht gemacht worden zu sagen: Es war das System, das Schuld hatte, und ich zeige jetzt, dass ich es anders mache.“ Viele Opfer hätten sich gewünscht, dass die Trainer auf sie zukommen und sich nach ihrem Leid erkundigen. „Aber es gibt keinen einzigen, der für diesen Umgang steht“, sagt Geipel. Auch Werner Goldmann nicht, der vom früheren Kugelstoßer Gerd Jacobs belastet wird und derzeit vor dem Arbeitsgericht gegen den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) auf Weiterbeschäftigung klagt. Seinen und andere Fälle hatten die Opfer vor Augen, als sie nun ein Führungszeugnis für Trainer im Sport forderten, in das auch Dopingtaten eingetragen werden.

Insgesamt geht es um sieben Trainer in der Leichtathletik. Die Opfer stoßen sich vor allem daran, dass diese unbehelligt nach der Wiedervereinigung weiterarbeiten durften – ordentlich bezahlt und sozial abgesichert –, während bei einigen der Opfer Krankheiten und bei ihren Kindern Behinderungen auftraten. „Wir brauchen nicht über Amnestie für diese Trainer zu reden. Amnestie gibt es seit 20 Jahren“, sagt Geipel.

DLV-Präsident Clemens Prokop sagt, er könne die Verbitterung der Opfer verstehen. „Für eine Aussöhnung mit den Opfern wird die Erklärung nicht reichen, da müsste schon mindestens ein runder Tisch her.“ Auch für Prokop kommt die Aufarbeitung der Doping-Vergangenheit spät, aber nicht zu spät. „Ich halte es für einen bemerkenswerten Vorgang, dass sich Trainer zusammensetzen und über die Vergangenheit reden“, sagt er, „das ist ein wichtiges Zeichen des Aufbruchs, das man nicht von vornherein kleinreden, sondern eher unterstützen sollte.“

Noch liegt ihm keine Erklärung vor, und wie viele der sieben Trainer unterschreiben, weiß Prokop auch noch nicht. „Die Erklärung sollte zeitnah kommen“, sagt der DLV-Präsident. Das würde zum einen die Vorbereitung der Weltmeisterschaften im August in Berlin nicht zusätzlich belasten, sagt Prokop. Zum anderen werde die Glaubwürdigkeit der Erklärung leiden, sollten die Trainer damit noch eine Weile warten.

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