Doping : Konvoi zur Blutauffrischung

Fünf frühere T-Mobile-Fahrer sollen bei der Tour de France 2006 gedopt haben. Teamsprecher Christian Frommert zeigte sich von dem Vorfall nicht überrascht.

StuttgartStuttgart - Mindestens fünf Radprofis des T-Mobile-Rennstalles haben sich während der Tour de France 2006 in der Freiburger Sportmedizin mit Blutdoping behandeln lassen. Das berichtet die „Stuttgarter Zeitung“. Bisher hatte von den Fahrern des ehemaligen T-Mobile-Teams nur Patrik Sinkewitz gestanden, der bei der diesjährigen Tour des Testosteron-Dopings überführt wurde.

Die Zeitung bezieht sich in ihrem Bericht auf die Untersuchungskommission der Universität Freiburg. Dort ist von einem „Rhein-Konvoi“ die Rede. Dieser soll am selben Abend wie Sinkewitz es angegeben hatte – am 1. Juli 2006 – vom Startort der Tour Straßburg nach Freiburg gefahren sein. In dem Institut sei den Fahrern vor dem Start der Tour de France Eigenblut zugeführt worden.

Der Heidelberger Molekularbiologe Werner Franke, der in der Kommission sitzt, gab Hinweise darauf, wer die vier weiteren Fahrer sein könnten. Er kommentiert den Vorgang so: „Jeder kann nachschauen, wer beim Einzelzeitfahren in Rennes vorne war.“ In der Ergebnisliste eine Woche nach dem Tourauftakt fuhren die T-Mobile-Profis Sergej Honchar (1.), Michael Rogers (4.), Patrik Sinkewitz (6.), Andreas Klöden (8.) und Matthias Kessler (14.) auf vordere Plätze. Der Teamkapitän Michael Rogers betonte später in einem Interview, in Rennes hätte die Mannschaft ihre „wahre Stärke“ gezeigt. Klöden beendete die Tour nach der Disqualifikation des gedopten Siegers Floyd Landis als Zweiter.

T-Mobile-Sprecher Christian Frommert zeigt sich von dem Vorfall nicht überrascht. Es sei ihnen bewusstgeworden, dass Sinkewitz nicht der einzige Blutdoper im Team gewesen sein konnte. Er hätte sich aber von Sinkewitz „mehr Aufklärung“ gewünscht.

Die „Stuttgarter Zeitung“ zitiert auch aus einem Vertrag, den die Telekom 1999 mit dem damaligen Freiburger Institutsleiter Joseph Keul geschlossen hat. Das Bonner Unternehmen wollte zur Dopingbekämpfung den Missbrauch von Epo erforscht wissen und bezahlte dafür 1,35 Millionen Mark. Hauptnutznießer war der Freiburger Sportmediziner Andreas Schmid, der sechs Forschungsvorhaben zum Nachweis des Blutdopingmittels mit dem Geld finanzierte. Im Mai dieses Jahres gestand er, Telekomfahrer mit Epo versorgt zu haben. (rope / dpa)

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