Doping : Querelen um Tour-Ausschlüsse

Der Verband der Rennställe will zwar Mannschaften ausschließen, die den selbst gegebenen Ethik-Code nicht befolgen, wartet nach einer hitzigen Sitzung am Mittwochabend aber zunächst das Treffen beim Weltverband ab - "spektakuläre Geschichten" sind zu erwarten.

Anneyron/BerlinDer Tour de France drohen wie im letzten Jahr Ausschlüsse dopingverdächtiger Radprofis in letzter Minute, zudem hat der Verband der ProTour-Radrennställe (AIGCP) Ärger in den eigenen Reihen. Der Verband will zwar Mannschaften ausschließen, die den selbst gegebenen Ethik-Code nicht befolgen, wartet nach einer hitzigen Sitzung am Mittwochabend aber zunächst das Treffen beim Weltverband UCI am Dienstag ab und wird dann eine außerordentliche Generalversammlung einberufen. Sie wird in London für weitere Brisanz vor dem Tour-Start am 7. Juli sorgen.

Astana-Teamchef Marc Biver war bei den Beschlüssen am Mittwochabend im französischen Anneyron nicht mehr dabei, weil ihm die Diskussion nach dem Einzelzeitfahren bei der Rundfahrt Dauphiné Libéré zu lange dauerte. "Nach drei Stunden geht meine Geduld zu Ende. Ich habe das Gefühl, dass ich bei einem Kindergarten bin. Ich habe die Nase voll, mit Amateuren die Sache zu diskutieren", sagte der Schweizer. "Ich bin vollkommen dafür, diesen Codex zu respektieren. Die Entscheidung ist sehr einfach." Der 2005 mit der ProTour eingeführte Code verbietet den Mannschaften den Renneinsatz von Fahrern, gegen die im Zusammenhang mit Doping straf- oder sportrechtlich ermittelt wird.

"Ich habe keine Leiche im Keller"

Biver unterstrich, es dürfe nicht mit dem Finger auf die kasachische Mannschaft mit den Tour-Favoriten Andreas Klöden und Alexander Winokurow gezeigt werden, der am Mittwoch als Zeitfahr-Sieger die Führung bei der Tour-Generalprobe Dauphiné Libéré übernahm. "Ich habe keine Leiche im Keller", betonte Biver, der gemeinsam mit den Vertretern der Mannschaften Bouygues Telecom und Cofidis die Sitzung vorzeitig verlassen hatte. Die verbliebenen 16 Teammanager fassten einstimmig die wenig konkreten Beschlüsse.

Verbandschef Patrick Lefevere, der Chef des belgischen Quick-Step-Teams um Weltmeister Paolo Bettini, erklärte hingegen, man könne nicht auf Fahrer zeigen und ihnen sagen: "Du und Du, Ihr geht nach Hause." Die Statuten sehen vor, dass die Einladungsfrist für eine Generalversammlung 15 Tage beträgt. Damit müssten die Einladungen spätestens Anfang kommender Woche verschickt werden.

"Man hat sich in gewisser Weise vertagt"

Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer verweist auf die Sitzug beim Rad-Weltverband UCI am Dienstag. Dort erhofft sich die AIGCP neues, möglicherweise belastende Material in einem Hotel nahe des Genfer Flughafens. Dabei sein werden auch die Teamärzte. UCI-Präsident Pat McQuaid will mittags (12:30 Uhr) auf einer Pressekonferenz über das Treffen informieren. Anschließend werden laut Holczer erneut die Chefs der ProTour-Mannschaften zusammenkommen. Dann soll bereits darüber gesprochen werden, "wer den Code einhält und wer darüber diskutiert und den Code nicht einhält".

Holczer ist sich indes nicht sicher, ob es bei der UCI wirklic große, neue Erkenntnisse aus dem spanischen Dopingskandal geben wird. Die AIGCP darf derzeit selbst nicht die Akten der spanischen Behörden im Zusammenhang mit dem Skandal um den Arzt Eufemiano Fuentes einsehen, weil dagegen unter anderen der frühere Liberty-Teamchef Manolo Saiz Einspruch eingelegt hat. Die UCI wolle dopingverdächtige Fahrer zwei bis drei Wochen vor der Tour aussortieren, erklärte Holczer, der auch mit Enthüllungen wenige Tage vor dem Prolog rechnet und erneut unterstrich: "Ich erwarte noch die eine oder andere spektakuläre Geschichte." (mit dpa)

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