Doping : Strafanzeige gegen Ex-Trainer Springstein

Beihilfe zur Körperverletzung und versuchte Körperverletzung, "besonders bei minderjährigen Sportlerinnen" - das sind die Doping-Vorwürfe, denen sich der frühere Leichtathletik-Trainer Thomas Springstein gegenüber sieht.

MünchenWegen Beihilfe zur Körperverletzung, versuchter Körperverletzung und "vergleichbarer Delikte an männlichen Sportlern, unter anderem dem Läufer Nils Schumann" habe der Molekularbiologe und Anti-Doping-Experte Werner Franke über seinen Anwalt Michael Lehner der Magdeburger Generalstaatsanwaltschaft einen Antrag zur Strafanzeige zugeschickt, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Schumann, Olympiasieger über 800 Meter im Jahr 2000 in Sydney, hatte 2004 in Magdeburg bei Springstein trainiert.

Der Vorwurf des Dopings von Minderjährigen steht im Zusammenhang mit dem Prozess gegen Springstein, der am 20. März 2006 vor dem Magdeburger Amtsgericht mit einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten endete. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Springstein der damals 16-jährigen Sprinterin Anne-Kathrin Elbe im Jahr 2004 ein Fläschchen mit einem Präparat gegeben hat, welches das Doping-Mittel Testosteron-Undecaonat enthielt. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre.

Verbotene Substanzen als "Vitamine" verabreicht

Der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Clemens Prokop, hatte sich enttäuscht von dem Urteil gezeigt: "Eine abschreckende Wirkung im Kampf gegen Doping geht von einem solchen Ergebnis nicht aus." Der DLV hatte den Prozess überhaupt erst ins Rollen gebracht. Elbe nahm die Dopingmittel nicht ein, sondern reichte sie an den Verband weiter. Springstein hatte die verbotenen Substanzen als "Vitamine" bezeichnet und damit die Gesundheit von Anne-Kathrin Elbe riskiert.

In dem Prozess wurde auch "Doping an anderen Mädchen aus Springsteins Läufergruppe" aufgedeckt - doch diese Fälle wurden damals eingestellt. In der Anzeige heißt es: "Während die im Urteil als einziges Opfer genannte Elbe diese Mittel nicht eingenommen hatte, haben andere Minderjährige bzw. junge Frauen diese Präparate auftragsgemäß eingenommen (siehe Ermittlungsakten und Anklageschrift)." Insgesamt sieben Sportlerinnen benennt Doping-Experte Franke laut "Süddeutsche Zeitung" als "Springsteins Opfer". Der Heidelberger Wissenschaftler wolle nun Verfahrensfehler "und den laxen Umgang der Justiz mit der Dopingproblematik" entlarven. (rope/dpa)

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