Doping-Vorwürfe : D'Hont legt gegen Ullrich nach

Jef d'Hont, von 1992 bis 1996 Betreuer beim Radteam Telekom, hat erneut schwere Doping-Vorwürfe gegen den früheren Tour de France-Sieger Jan Ullrich erhoben.

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Jan Ullrich: Der Tour-Sieger von 1997 schweigt weiter.Foto: AFP

GentJef d'Hont, von 1992 bis 1996 Betreuer beim Radteam Telekom, hat erneut schwere Doping-Vorwürfe gegen den früheren Tour de France-Sieger Jan Ullrich erhoben. "Jan hat Epo und Wachstumshormone genommen, hundertprozentig sicher", erklärte der Belgier in der ARD-Sendung "Tagesthemen". Gleichzeitig forderte er den zurückgetretenen deutschen Radstar auf, auszupacken. "Jan muss auch sagen, wie Bjarne Riis, Rolf Aldag und die anderen in der Mannschaft, wie es gewesen ist." D'Hont hatte Ullrich Ende April erstmals schwer belastet und ihm in seinen Memoiren vorgeworfen, er habe bei der Tour 1996 zu den Telekom-Profis gehört, die das Blutdopingmittel Epo genommen hätten.

Unterdessen hat der ehemalige Telekom-Teamchef Walter Godefroot jegliche Verwicklung in die Dopingaffäre strikt zurückgewiesen und angekündigt, seinen ehemaligen Mitarbeiter d'Hont zu verklagen. "Ich habe Doping in unserem Radsport-Team weder organisiert noch finanziert", sagte der 63-jährige Belgier vor Journalisten in seiner Heimatstadt Gent. Zum weiter hartnäckig schweigenden Ullrich sagte sein ehemaliger Chef: "Ich will nicht über andere reden. Ob Jan etwas zu erklären hat, muss er entscheiden."

Zabel verzichtet auf Olympia-Teilnahme

Erik Zabel wird nach seinem Doping-Geständnis auf einen Olympia-Start 2008 in Peking verzichten. Dies teilte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) am Dienstag mit. Sowohl Zabel als auch Aldag sollen den DOSB künftig im Kampf gegen Doping aktiv und auch finanziell unterstützen. "Mit den zwischen uns verabredeten Maßnahmen machen Aldag und Zabel deutlich, dass sie die Schwere ihrer Taten erkennen und nicht einfach zur Tagesordnung übergehen", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach. Er hatte sich am Sonntag mit beiden getroffen. Die Deutsche Telekom werde auf Bitten des DOSB künftig deutlich mehr als die in diesem Jahr zur Verfügung gestellten 200 000 Euro für die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA bereitstellen.

Godefroot - von 1992 bis 2005 Team-Manager bei Telekom und dem Nachfolge-Team T-Mobile - wollte sich nicht in die Reihe der Doping-Geständigen stellen. Er versicherte in seinem 60-Minuten-Auftritt, er hätte "niemals Geld von Fahrern für Dopingmittel erhalten". Das hatten ihm Ex-Betreuer d'Hont in seinem Enthüllungsbuch und ehemalige Telekom-Profis direkt oder indirekt vorgeworfen. Godefroot kündigte an, seinen Landsmann ("plumper Lügner") zu verklagen. Nach Ende der Tour de France will sich der heutige Berater des neuen Astana-Teams, "wie 2006 angekündigt", vom Radsport zurückziehen.

Der Virus, der Epo hieß

Godefroot ignorierte, was in der Hoch-Zeit seines Teams vor sich ging, und nannte das im Rückblick "naiv". "Dass ich nicht wusste, was lief, bedeutet nicht, dass ich blind war für das, was sich in der Mitte der 90er Jahre in die Mitte des Pelotons eingeschlichen hatte. Rennfahrer gingen auf unerklärliche Weise über ihre Möglichkeiten hinaus", sagte Godefroot, der damals "einen Virus, der Epo hieß" diagnostizierte. "Wer war befallen? Das war auch eine offene Frage für mich", behauptete Godefroot.

Laut Godefroot haben die inzwischen ebenfalls geständigen Freiburger Ärzte im Team versucht, "dem Wildwuchs bei der Medikamentierung Einhalt zu gebieten und in geordnete Bahnen zu lenken". Er hätte in seiner Karriere als Profi von 1965 bis 1976 - Godefroot war in seiner aktiven Laufbahn drei Mal Doping-auffällig - und danach als Manager "immer den roten Faden verfolgt, die Einnahme von Medikamenten zu beschränken".

Vergebliches Warten auf Enthüllungen von Godefroot

Godefroot hatte in einen fensterlosen Hotel-Kellerraum gebeten. Rund 60 Journalisten und 12 Kamerateams warteten - vergeblich - auf weitere Enthüllungen, nachdem in den Vorwochen die Ex-Profis Bjarne Riis ("Godefroot war auf einem Auge blind"), Christian Henn, Rolf Aldag, Erik Zabel, Brian Holm und Bert Dietz ein Bild vom flächendeckenden Doping-System im Team Telekom gezeichnet und Godefroot zum Teil heftig belastet hatten.

Toursieger Riis hatte Godefroot in seinem Epo-Geständnis zumindest Mitwisserschaft des Manipulations-Systems unterstellt. D'Hont erklärte im "Spiegel-Interview", Godefroot hätte den Geldfluss für Doping-Mittel im Team geregelt; Dietz äußerte sich ähnlich. Dietz hätte sich nur auf d'Hont berufen, deshalb verklage er den Ex-Profi nicht, erklärte Godefroot. Die d'Hont-Vorwürfe hätten ihn "tief verletzt".

"Ich bezweifle, dass Bjarne Riis jemanden betrogen hat. Ob er mehr gesündigt hat als andere, weiß ich nicht", sagte Godefroot und benutzte die selbe, offensichtlich branchenübliche Formulierung wie Ullrich bei seiner bizarren Rücktritts-Pressekonferenz am 26. Februar in Hamburg. "Ich habe nie jemanden betrogen", hatte sich der auch durch die neuerlichen Erkenntnisse der Doping-Affäre Fuentes erheblich belastete Ullrich zu rechtfertigen versucht. (Von Andreas Zellmer und Michael Ostermann, dpa)

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