Doping : Wut der Traumatisierten

Opfer lehnen die Erklärung von DDR-Trainern ab, die zugeben, dass sie Dopingmittel verteilt haben. Als Gegenleistung für das Geständnis können die Trainer weiterbeschäftigt werden.

Frank Bachner

Berlin - Die Aussage ist eindeutig. „Wir akzeptieren keine pauschalen Entschuldungsschreiben von Trainern, die zwanzig Jahre lang ihre Geschichte weggelogen und sich damit Einstellungsverhältnisse erschlichen haben.“ Das ist der Kern einer Erklärung von mehreren Opfern des DDR-Dopings. Elf ehemalige Athleten, darunter die frühere Weltrekord-Sprinterin Ines Geipel, reagieren damit auf einen Richtungswechsel des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Der hatte am Montag mitgeteilt, dass er die Erklärung von sechs Leichtathletik-Trainern, die in der DDR gearbeitet hatten, akzeptieren werde. Die Trainer geben zu, früher gedopt zu haben. Als Gegenleistung für das Eingeständnis könnte der Deutsche Leichtathletik-Verband sie weiter beschäftigen. Für die Opfer ist das ein Unding. Sie schreiben: „Ein universaler Entschuldigungstext meint niemanden und respektiert niemanden. Wir lehnen es ab, dass durch eine solche Erklärung zahlreiche Verantwortliche einen rückwirkenden Freifahrtschein für angetanes Unrecht, Zugriffe und Verfehlungen im Sport erhalten sollen.“

Eine Kommission unter dem Vorsitz des früheren Bundesverfassungsrichters Udo Steiner, die den Fall der Trainer untersuchte, empfahl dem DOSB, deren Erklärung zu akzeptieren – „ohne dass dabei Geschädigte des DDR-Dopingsystems in transparenter Weise einbezogen wurden“, wie die früheren DDR-Athleten monieren. Die Opfer des DDR-Dopings fordern den DOSB und das Bundesinnenministerium auf, „ihre selbst gesetzten Dopingrichtlinien, Vielfacherklärungen und Statute einzuhalten und endlich auch umzusetzen“. Die Ex-Athleten setzen sich mit Hinweis auf ihr Schicksal intensiv für einen dopingfreien Sport ein. Sie fordern, dass die damals beteiligten Trainer für ihren Dopingeinsatz zur Verantwortung gezogen werden. „Es geht nicht darum, erlittene Sportschäden künstlich in die Zukunft zu verlängern, sondern weiterhin um Klärung, konkrete Beteiligungen und Verantwortung.“ Frank Bachner

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