Doping : Zigaretten, Alkohol und Epo

Der österreichische Bergkönig der Tour de France hat Doping mit zahlreichen Mittelchen zugegeben. Benedikt Voigt über einen Mentalitätswechsel im Alpenland.

Benedikt Voigt

Drei Jahre sind vergangen, seit der Präsident des österreichischen Skiverbandes zum ersten Mal das Wort „Doping“ gehört haben dürfte. Diesen Eindruck musste gewinnen, wer Peter Schröcksnadels Pressekonferenz erlebte, nachdem eine Razzia während der Winterspiele in Turin bei seinen Langläufern und Biathleten 100 Spritzen, 30 Medikamentenschachteln und Apparate für Bluttests und Bluttransfusionen zutage gefördert hatte. Schröcksnadel fasste seine Einstellung zum Doping wie folgt zusammen: „Ich rauche nicht, ich vertrage keinen Alkohol, und ich bin auch gegen Drogen.“ Wie viele österreichische Journalisten und Funktionäre wollte er lieber über den Doppelolympiasieg des Skifahrers Benjamin Raich reden.

Seit dieser Woche müsste auch auf der höchstgelegenen Tiroler Alm angekommen sein, dass Doping mit Alkohol und Zigaretten nicht viel zu tun hat. Sondern mit Epo, Wachstumshormon, Insulin, Testosteron und Bluttransfusionen. Das alles hat der frühere österreichische Radprofi Bernhard Kohl genommen. Sein Geständnis und das der Triathletin Lisa Hütthaler haben den Blick auf ein weitreichendes österreichisches Dopingnetzwerk geöffnet. Möglich gemacht hat das ein Mentalitätswechsel nach der Turiner Razzia. Und der Druck, für die gescheiterte Salzburger Olympiabewerbung etwas tun zu müssen. Dank eines neuen Anti-Doping-Gesetzes kann die Soko „Doping“ nun das österreichische Dopingnetzwerk ausheben. Allerdings ist noch überhaupt nicht klar, ob das gelingt, weil die Beamten so intensiv fahnden. Oder weil sie einfach nur zu suchen angefangen haben.

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