Dopingbekämpfung : Kritik an Wada-Kodex wächst

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) sieht sich wegen des umstrittenen Meldesystems immer stärkerem Druck ausgesetzt. Nun äußerten auch die Europäische Union (EU) sowie deutsche Datenschützer rechtliche Bedenken.

Düsseldorf/BerlinIn einem 19-seitigen Report der unabhängigen EU-Arbeitsgruppe "Artikel 29" wird festgestellt, dass der Wada-Kodex und die internationalen Standards für Doping-Tests teilweise dem geltenden Recht in den 27 EU-Ländern widersprechen würden.

Dabei geht es vor allem um die Pflicht von Eliteathleten, ein Vierteljahr im Voraus ihre Aufenthaltsorte und für jeden Tag eine Stunde anzugeben, während der sie für Kontrollen erreichbar sind.

Wada-Präsident John Fahey wies die Kritik zurück. "Die EU-Arbeitsgruppe greift etablierte und akzeptierte Anti-Doping-Praktiken an und bietet keine konstruktiven Lösungen. Damit untergräbt sie den Kampf gegen Doping im Sport", sagte der Australier.

EU-Parlamentarier: "Recht auf Privatsphäre hat Vortritt"

Der EU-Abgeordnete Emine Bozkurt wies jedoch auf die mangelnde Rechtskompatibilität der neuen Regeln hin. "Die Schlussfolgerung aus dem Report ist, dass ein Land, das den neuen Wada-Code akzeptiert hat, die neuen Regeln annullieren und dem Recht auf Privatsphäre den Vortritt lassen muss", sagte Bozkurt. Er wolle nun die EU-Kommission fragen, was sie zu tun gedenke.

Kritik kam heute auch von den deutschen Datenschützern. "Die Frage ist berechtigt, ob Aufenthaltsorte von Athleten tatsächlich über so lange Zeiträume zugänglich sein müssen. So, wie es im Moment gemacht wird, ist es nicht richtig", sagte Roland Bachmeier, Leiter der Dienststelle des Bundesdatenschutzbeauftragten. Die Meldepflichten über Aufenthaltsorte griffen außerdem in die Privatsphäre ein und schlössen somit die Möglichkeit des Missbrauchs ein.

Ablehnung von allen Seiten

In den letzten Wochen hatte es bereits von vielen Seiten ein Aufbegehren gegen den Code gegeben. So hatte der Fußball-Weltverband Fifa Ende März eine meldefreie Phase für "unverdächtige Profis" während ihrer Ferien gefordert. In Belgien reichten 65 Sportler Klage gegen das Meldesystem bei einem Gericht ein, weil es nach ihrer Ansicht gegen die Europäische Konvention für Menschenrechte verstoße.

Die spanische Regierung beschloss zudem im Alleingang eine Einschränkung der Doping-Kontrollen und verbot mit einem "Königlichen Dekret" nächtliche Test zwischen 23.00 Uhr und 08.00 Uhr. Nach den Wada-Melderegeln müssen Spitzensportler im Prinzip 24 Stunden für Kontrollen zur Verfügung stehen. (rf/dpa)

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