Dopingdebatte : Ein neuer Auftrag für Werner Goldmann

Werner Goldmann ist wieder offiziell Bundestrainer fürs Diskuswerfen. Der Deutsche Leichtathletik-Verband einigte sich mit ihm außergerichtlich auf einen befristeten Vertrag.

Friedhard Teuffel
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Foto: p-a/dpadpa

Berlin - In diesem Erfolgsfall machte Werner Goldmann eine Ausnahme. Sein bester Athlet, Robert Harting, war gerade Weltmeister im Diskuswerfen geworden, und der Trainer erzählte an diesem Tag im August zum ersten Mal seit langem etwas über sich selbst. „Das letzte Jahr war das härteste in meinem Leben“, sagte der 59-Jährige. Jenes Jahr hatte ihn auch so schweigsam gemacht, es lief ein Arbeitsgerichtsprozess mit ihm, und jedes falsche Wort von ihm in der Öffentlichkeit hätte gegen ihn verwendet werden können.

Dieser Prozess ist inzwischen beendet, Goldmann hatte ihn angestrengt, um seine Trainerstelle beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) zurückzubekommen. Der Verband hatte das Beschäftigungsverhältnis nicht verlängert, weil Goldmann von seinem früheren Athleten Gerd Jacobs des Dopings in der DDR beschuldigt worden war. Er habe ihm Anabolika gegeben, sagte der frühere Kugelstoßer Jacobs, und seine schweren gesundheitlichen Schäden führte er auch auf diese Mittel zurück.

Jetzt ist Goldmann offiziell wieder beim DLV beschäftigt, als Disziplintrainer für das Diskuswerfen der Frauen. Zu Goldmanns Trainingsgruppe gehört auch die Juniorenweltmeisterin Julia Fischer. „Beim Arbeitsgerichtsprozess hatten wir keine besonders guten Karten, deshalb haben wir uns in einem Vergleich auf eine befristete Weiterbeschäftigung bis 2012 geeinigt“, sagt Clemens Prokop, der Präsident des DLV.

Nach der Beschuldigung von Gerd Jacobs war Goldmann zur Symbolfigur für ein ganzes Sportsystem geworden und für eine ostdeutsche Trainergeneration, die ins DDR-Staatsdoping eingebunden war. Fünf Leichtathletiktrainer, die noch für den DLV arbeiten, galten ebenfalls als belastet. Doch sie sicherten ihre Weiterbeschäftigung in diesem Jahr mit einer gemeinsamen Erklärung, in der sie ihre Schuld eingestehen, sich bei den Opfern entschuldigen und sich zu einem dopingfreien Sport bekennen. Goldmann konnte sich dieser Erklärung nicht anschließen, weil sein Arbeitsgerichtsprozess lief und der DLV erst wissen wollte, ob Gerd Jacobs mit seiner Beschuldigung Recht hatte.

Nach Hartings WM-Sieg legte auch Goldmann ein Bekenntnis zum dopingfreien Sport ab: „Ich stehe seit 20 Jahren für einen sauberen Sport. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass man Menschen nicht vorwerfen kann, in welches System sie geboren wurden, und dass man ihnen die Chance geben muss, sich zu entwickeln.“ Zu seiner Vergangenheit äußert sich Goldmann nicht mehr öffentlich. „Es bringt nichts mehr, im Gegenteil.“ Gerade das machte ihm etwa die Schriftstellerin und frühere Sprinterin Ines Geipel zum Vorwurf, die als Sprecherin von DDR-Dopingopfern auftritt. Der Cheftrainer der Leichtathleten, Herbert Czingon, verteidigte Goldmann dagegen: Er habe sich durch saubere Arbeit bewiesen, und es sei zu viel verlangt, dass ein Trainer Verantwortung für ein ganzes System schultern solle, in dem Doping von oben angeordnet war.

14 Jahre habe er in der DDR gearbeitet, sagte Goldmann, und 19 im wiedervereinigten Deutschland, „aber kein Mensch fragt mich, was ich in den vergangenen 19 Jahren gemacht habe“.

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