Dopingvorwürfe : Pechsteins Show ums Blut

Das Blut von Claudia Pechstein ist am Dienstag noch einmal auf Spuren von Doping untersucht worden. Die Eisschnellläuferin stellt kurz vor ihrem Doping-Prozess noch einmal die Qualität der Messgeräte infrage.

Frank Bachner,Robert Ide
Pechstein
Claudie Pechstein -Foto: dpa

Berlin - Claudia Pechsteins Blut ist gestern noch einmal auf Spuren von Doping untersucht worden. An der Meinung der Berliner Eisschnellläuferin zu ihrer angeblich unrechtmäßigen Dopingsperre hat das nichts geändert: „Ich bin in knapp zehn Jahren fast 350 Mal getestet worden“, ließ Pechstein gestern wissen. „Das ist so häufig wie wohl keine andere Athletin weltweit. Immer negativ.“ Ihre auffällig schwankenden Blutwerte, auf deren Basis sie der Welt-Eislaufverband ISU für zwei Jahre gesperrt hatte, erklärt das allerdings noch nicht.

Ob die Sperre Bestand hat und die 37 Jahre alte Pechstein ihre Karriere beenden muss, darüber berät und entscheidet der Internationale Sportgerichtshof Cas am Donnerstag und Freitag in Lausanne. Pechstein trainiert derzeit in Berlin nur unter Vorbehalt für die Olympischen Winterspiele in Vancouver. Und ist es nicht auch so, dass das Verfahren mit seiner grundsätzlichen Bedeutung für den indirekten Dopingnachweis unter Vorbehalt steht? Viele Indizien befinden sich noch im Prozess der Abwägung – vor Gericht, aber auch in der Öffentlichkeit.

Pechsteins Verteidigung setzt weiterhin auf Form- und Verfahrensfehler. So ließ sie die Retikoluzyten (junge rote Blutkörperchen) der Athletin auf unterschiedlichen Messgeräten testen – mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Pechstein ließ dazu gestern erklären: „Während der Gerätetyp Advia erhöhte Werte anzeigte, waren die Ergebnisse auf dem Gerätetyp Sysmex völlig unauffällig. Das sagt doch eigentlich alles über die Aussagekraft von Retikulozyten-Werten.“ Dazu muss man wissen: Die ISU, die Pechstein gesperrt hat, misst auf Advia-Geräten; Institutionen wie die Nationale Anti-Doping-Agentur testen auf dem anderen Gerätetyp. Allerdings sind für Pechsteins Fall nur die Werte der ISU ausschlaggebend – und diese sind immer auf den gleichen Geräten erhoben worden. Deshalb sagt auch der Biochemiker und Dopingforscher Fritz Sörgel: „Wissenschaftlich gesehen ergibt sich für mich daraus kein Anhaltspunkt für falsche Messungen.“ Die ISU benutze seit Jahren nur die Advia-Geräte. „Diese mit anderen Geräten zu vergleichen, läuft auf eine Medienshow der Pechstein-Seite hinaus, um die Öffentlichkeit zu verwirren“, sagt Sörgel. „Das finde ich unerträglich.“

Claudia Pechstein ist mehrmals mit solcherlei Vorstößen in die Öffentlichkeit gegangen. In einer vom Fernsehen übertragenen Pressekonferenz hatte sie mit ihrem Beraterteam auch auf weitere vermeintliche Form- und Verfahrensfehler der ISU hingewiesen. So wurden unterschiedliche Kodierungen von Pechsteins Blutproben angeführt. Aber auch hier sind unabhängige Experten wie Sörgel skeptisch: „Es ist in allen Laboren gängige Praxis, die Kodierungen zu verändern.“ Das müsse natürlich unter Aufsicht stattfinden. Eine unkontrollierte Umetikettierung wäre ein Problem für die ISU, eine kontrollierte und protokollierte nicht. In der Beweisaufnahme vor dem Cas dürfte das Thema sein.

Insgesamt steht ein Indizienverfahren an, bei dem wohl weder ein zweifelsfreier Freispruch noch eine zweifelsfreie Verurteilung zu erwarten ist. Denn eine schlüssige Erklärung für ihre schwankenden Blutwerte konnte Pechstein noch nicht liefern (wobei ihre Verteidigung anzweifelt, dass sie das überhaupt tun muss). In einer Schlacht der Sachverständigen dürften nun die Indizien für Doping auf der einen Seite und die Hinweise auf Verfahrensfehler auf der anderen Seite gegeneinander abgewogen werden. Wie das ausgeht? Sörgel weiß nur: „Es wird spannend.“

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