Eisschnelllauf : Ein überhöhter Wert und viele Fragen

Während Claudia Pechstein weiter kämpft, hatten angeblich auch zwei andere Läuferinnen seltsame Blutwerte. Keiner weiß offiziell etwas, alle fürchten aber einen Imageschaden.

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Hartmann Foto: dpa
Ein zu hoher Retikulozytenwert? Um das Blutbild der Sprinterin Heike Hartmann aus Inzell gibt es derzeit Diskussionen. -Foto: dpa

Berlin - Markus Eicher hat gestern einigermaßen aufgeregt die Mannschaftsärztin der deutschen Eisschnellläuferinnen angerufen. „Hatte es bei Heike Hartmann Auffälligkeiten beim Blutbild gegeben?“, fragte der Frauen-Bundestrainer. Die Ärztin hatte am 13. Mai 2009 die Inzeller Sprinterin Hartmann untersucht, ein Routinecheck. „Keine Auffälligkeiten“, antwortete die Medizinerin. So jedenfalls erzählt es Eicher. Nur, die Retikulozytenwerte, jene Werte also, deren überhöhte Dosis Claudia Pechstein zum Verhängnis wurden, die hatte sie nicht untersucht.

Also kann die Ärztin auch keine Entwarnung geben. Denn ein Wert geistert jetzt durch die Welt. Bei 3,5 Prozent, weit über dem Grenzwert von 2,4, soll Hartmanns Wert mal gelegen haben, teilte die Deutsche Presse-Agentur mit. Sie beruft sich auf eigene Informationen.

„Aber wir haben nie offiziell etwas von überhöhten Werten erfahren“, sagt Eicher. Das Gleiche betont auch Helge Jasch, der Teamchef der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG). Hartmann habe ihnen mitgeteilt, erzählen beide Trainer, dass sie weder von der Nationalen Anti-Doping-Agentur Nada noch von der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada noch vom Weltverband ISU eine entsprechende Mitteilung erhalten habe. Dass bei ihr der Wert der Retikulozyten – Vorläufer der roten Blutkörperchen – erhöht gewesen sein soll, möglicherweise bei der Untersuchung am 13. Mai, habe sie von Beamten des Bundeskriminalamts (BKA) erfahren. Das jedenfalls sagte Eicher dem Tagesspiegel. BKA-Fahnder hatten die 28-Jährige kurz vor dem Weltcup in Erfurt befragt. Das BKA ermittelt wegen Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz und hatte deshalb auch Hartmanns Wohnung durchsucht.

Es gibt auch eine Meldung, nach der Eicher erhöhte Blutwerte bei dem Berliner Talent Bente Kraus bestätigt habe. Gestern sagte Eicher: „Ich habe nur bestätigt, dass es bei zwei Läuferinnen Hausdurchsuchungen gegeben hatte.“ Mit Kraus habe er in den vergangenen Tagen kein Wort geredet. „Ich weiß nicht, wie man bei ihr auf den Gedanken kommt, sie habe erhöhte Werte.“

Jasch betonte, die DESG habe „bis heute keine offiziellen Informationen über erhöhte Werte erhalten. Mir ist ein Rätsel, wo die Meldung herkommt.“ Doch nun, sagt Eicher, sei es „Sache der DESG, nachzuforschen, was da los ist“. Eicher ist über die jüngsten Diskussionen regelrecht entsetzt. „Wahnsinn. Da wird der Sport kaputt gemacht. Echt traurig.“

Heike Hartmann ist in Erfurt auch, im Januar, um 8 Uhr von einem Mitarbeiter der Wada kontrolliert worden. Zwei Stunden später sei ein Nada-Fahnder aufgetaucht, um genau die gleiche Kontrolle vorzunehmen, sagte Jasch. Die Fahnder hätten sich auch noch kurz ausgetauscht. Nach der Frage von ihm und von Eicher, ob eine zweimalige identische Kontrolle notwendig sei, habe der zweite Fahnder nicht mehr alle Tests gemacht. Auf keinen Fall habe aber eine verweigerte Dopingkontrolle vorgelegen, die eine Sperre nach sich zieht. „Sie hat nie etwas Entsprechendes gehört“, sagte Jasch.

Claudia Pechstein kämpft derweil weiter gegen ihre zweijährige Dopingsperre. Ihre Anwälte haben nach dpa-Informationen eine Revisionsschrift beim Schweizer Bundesgericht eingereicht. Sie wollen damit die Aufhebung der Sperre und eine Neuauflage der Verhandlung vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas erreichen. Dazu muss Pechstein aber Beweise vorlegen, die sie zum Zeitpunkt des Verfahrens am 25. November 2009 noch nicht gehabt hatte.

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