Ex-Trainer festgenommen : Neuer Dopingskandal in Österreich

Der ehemalige österreichische Langlauftrainer Walter Mayer, bereits bei den Olympischen Spielen 2002 und 2006 Auslöser für Doping-Ermittlungen, wurde Sonntagnacht festgenommen.

Markus Huber[Wien]

Das Überraschungsmoment hatten die Ermittler des österreichischen Bundeskriminalamts in jedem Fall auf ihrer Seite, denn als sie am Sonntagabend bei einem Einfamilienhaus in der Steiermark anläuteten, öffnete ihnen der Hausherr erst mit einiger Verzögerung – und im Pyjama. Am Plan der Polizisten ändert das freilich nichts, und kurz darauf war der Hausherr festgenommen.

Laut den ermittelnden Behörden wird Mayer verdächtigt, das Doping-Präparat Epo bezogen und weitergegeben zu haben. Schon seit Jahren taucht Mayer immer wieder im Zentrum von Dopinggeschichten in Österreich auf. Noch vor einigen Jahren galt der ehemalige Langläufer als Trainerguru – schließlich hatte er das österreichische Langlauf- und Biathlon-Team Anfang dieses Jahrtausends in kürzester Zeit aus dem Nichts an die Weltspitze herangeführt. Bereits 2002 war er aber zum ersten Mal mit Doping in Verbindung gebracht worden. Bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City wurden verschmierte Blutbeutel hinter dem Wohnhaus der ÖSV-Langläufer gefunden. Blutdoping konnte damals zwar nicht nachgewiesen werden, Mayer wurde vom Internationalen Olympischen Komitee aber trotzdem bis einschließlich 2010 gesperrt. Gleichwohl wurde er damals vom ÖSV weiterbeschäftigt.

Als er aber unerlaubt bei den Winterspielen in Turin 2006 auftauchte, führte sein Erscheinen zur mittlerweile legendären Razzia der italienischen Dopingfahnder im österreichischen Mannschaftsquartier. Mayer selbst war damals aus Turin geflüchtet und anschließend alkoholisiert in einen Autounfall in Österreich verwickelt. Erst danach wurde er auch vom ÖSV fristlos entlassen. Trotzdem war Mayer offenbar weiter aktiv und trainierte seine Frau, die Marathonläuferin Eva-Maria Gradwohl. Bereits vor zwei Wochen waren Gerüchte aufgetaucht, nach denen Mayer seine Frau, die auch als Coach für steirische Nachwuchsleichtathleten arbeitet, bei ihrer Arbeit unterstützt. So war Mayer Anfang Februar bei den österreichischen Hallenmeisterschaften in Linz und brüllte dort lautstark Anweisungen bei den 800- und 3000-Meter-Läuferinnen. Natürlich ist das kein Vergehen, auch weil Mayer der Einsatz illegaler Mittel nie nachgewiesen werden konnte, doch rein optisch war das bereits ein Problem, schrieb etwa die Wiener Tageszeitung „Die Presse“: „Überall, wo Mayer in Erscheinung tritt, ist das Wort Doping allgegenwärtig.“

Offenbar ist Mayer nun in eine Dopingaffäre verstrickt, die Mitte der Vorwoche ihren Ausgang nahm. Da wurde ein 32-jähriger Radprofi, der zumindest zur erweiterten österreichischen Spitze gehört, wegen Epo-Handels festgenommen. Die Nachforschungen brachten die Ermittler auf einen Wiener Apotheker, der dieses und weitere Präparate an den Radprofi verkauft haben soll. Nun soll angeblich auch Mayer bei diesem Apotheker Kunde gewesen sein und die Präparate weitergegeben haben. Sollten die Ermittler nun tatsächlich Beweise haben, dann wäre das vor allem für die österreichische Anti-Doping-Politik ein Triumph. Denn jahrelang galten die österreichischen Behörden als extrem lax. Zuletzt hatte Österreich allerdings eine ans Bundeskriminalamt angegliederte Anti-Doping-Einheit geschaffen. Diese hat nun erstmals zugeschlagen – und gleich drei Drahtzieher verhaftet.

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