Fall Gerdemann : Vor dem Verdacht

Friedhard Teuffel über die Blutwerte von Radsportprofi Linus Gerdemann.

Friedhard Teuffel

Als wenn das Thema Doping nicht schon kompliziert genug wäre, ist an diesem Wochenende noch eine neue Stufe dazugekommen, oder besser: eine Vorstufe. Der Hämoglobinwert des Radprofis Linus Gerdemann soll 2006 auffällig geschwankt haben, so berichtet es die „Sportschau“. Aber offenbar nicht auffällig genug, um Gerdemann ernsthaft zu verdächtigen. Gerdemann sieht sich nun also keinem Verdacht ausgesetzt, sondern einem Vorverdacht.

Dass die Methoden der Betrüger immer feiner werden, ist wie eine Aufforderung an die Verfolger aus Verbänden und Medien, aus Zwischentönen eine Melodie zu machen. Ihr glaubt, mit nicht nachweisbaren Methoden dopen zu können? Wir kriegen euch trotzdem! Auch die Zahl der überführten Radsportler scheint diese Verfolgungsmethoden zu rechtfertigen. In der Tat gibt es keinen Radsportler, bei dem Doping unvorstellbar wäre. Und Gerdemann fuhr 2006 für das Team T-Mobile, in dem sauberer Sport die Ausnahme und Doping die Regel war.

Doch was bringt ein Vorverdacht? Er setzt Gerdemann unter Druck, seine Blutwerte öffentlich rechtfertigen zu müssen. Das wäre tatsächlich ein Argument dafür, nach so viel Blutdoping im Radsport muss ein Athlet einfach Bescheid wissen über Hämoglobin und Hämatokrit, er muss sein Profil kennen. Andererseits: Wenn sich selbst Wissenschaftler nicht einig sind bei der Bewertung von Blutwerten, wird ein Vorverdacht schnell zu einer bloßen Unterstellung.

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