Fall Pechstein : Eisschnelllauf: Hoffen auf Imagewandel

Die Eisschnelllauf-Szene will den Fall Pechstein überwinden.

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Berlin - Helge Jasch ist gleich in Heerenveen geblieben, das lag nahe. Hier hatte am vergangenen Wochenende das Weltcup-Finale der Eisschnellläufer stattgefunden, an diesem Wochenende werden in der berühmten Halle, in der eine so grandiose Atmosphäre herrscht, die Medaillen bei der Mehrkampf-WM vergeben. Dann ist Saisonende. „Wird ja auch Zeit“, seufzt Jasch, der Teamchef der deutschen Eisschnellläufer.

Es ist nicht der einzige Grund, aus dem er aufatmet. Die Pressekonferenz der vier Wissenschaftler in Berlin, bei der die Experten bei der gesperrten Claudia Pechstein eine Blutkrankheit diagnostizierten, nahm er mit Befriedigung zur Kenntnis. Die Experten schließen Doping aus, diese Einschätzung hebt zwar noch nicht die Sperre der fünfmaligen Olympiasiegerin auf, aber sie könnte das Image des Eisschnelllaufs verbessern. Das zumindest hofft Jasch. „Durch den Fall Pechstein wurden alle Athleten in ein Licht gerückt, in das sie nicht gehören“, sagt Jasch. Der Eindruck, dass im deutschen Eisschnelllauf gedopt werde, habe sich allmählich verstärkt. Ausländische Kollegen hätten ihn auf den Fall Pechstein angesprochen, die Leistungen rückten immer mehr in den Hintergrund.

Auch Frauen-Bundestrainer Markus Eicher ist erst mal erleichtert. „In den vergangenen Monaten ist ja zu 90 Prozent im Zusammenhang mit Eisschnelllauf nur über den Fall Pechstein gesprochen worden. Der Wahnsinn. Da haben viele ja inzwischen alles vermischt. Doping, Hausdurchsuchungen, Ermittlungen.“

Na ja, vermischt. Die Hausdurchsuchungen bei Sportlern und Trainern hängen schon mit dem Fall Pechstein zusammen, sie gehen auf eine Anzeige wegen des Verdachts auf Medikamenten-Missbrauch zurück. Aber die Gerüchte über angeblich erhöhte Retikulozytenwerte bei zwei weiteren deutschen Läuferinnen wurden inzwischen von vielen schon als Tatsache betrachtet. Dabei gibt es bis heute keine einzige offizielle Bestätigung dieser Version. Heike Hartmann, eine der angeblich Betroffenen, jedenfalls hat das Ganze ziemlich mitgenommen. „Mir hat sie erzählt, sie sei tagelang geistig abwesend herumgelaufen wie in einem Film“, sagt Jasch. Frank Bachner

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