Fall Pechstein : Olympia rückt fern

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein darf nur noch allein trainieren – und ihre Blutwerte werfen neue Fragen auf.

Frank Bachner
Pechstein
Claudia Pechstein -Foto: dpa

Berlin - Für Claudia Pechstein wird es langsam kritisch. Die fünfmalige Olympiasiegerin im Eisschnelllauf darf wegen ihrer Zwei-Jahres-Sperre ab sofort an keinem offiziellen Training eines Verbandes mehr teilnehmen. Das schreibt der Kodex der Welt-Anti-Doping-Agentur vor. Pechstein darf demnach nur privat und auf eigene Kosten trainieren, solange sie nicht auf dem Eilweg über eine Einstweilige Verfügung beim Internationalen Sportgerichtshof Cas ihre Rückkehr ins Training erzwingen kann. „Wenn man konsequent weitergeht, ist dies das sportliche Ende“, sagte der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft, Gerd Heinze, der Deutschen Presse-Agentur am Montag. „Das eine ist die Unschuldsvermutung, aber die Chancen für Vancouver sind gering. Ohne Training führt kein Weg zu Olympia.“

Pechstein wollte sich am Montag auf Anfrage nicht äußern – auch nicht zu den für sie brisanten Äußerungen von Innen- und Sportminister Wolfgang Schäuble (CDU). Pechsteins oberster Dienstherr war auf Distanz zur bei der Bundespolizei angestellten Athletin gegangen. „Sie muss die Indizien und den derzeitigen Anschein widerlegen“, hatte Schäuble dem Tagesspiegel gesagt. Genau das aber scheint Pechstein schwerzufallen.

Denn inzwischen ist bekannt geworden, dass die Athletin nach der Mehrkampf-WM in Hamar, die sie aufgrund überhöhter Retikulozyten-Werte abgebrochen hatte, von Dopingfahndern kontrolliert wurde. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ hatte sie demnach monatelang wieder normale Werte. Sollte das wahr sein, bezeichnet das der Nürnberger Dopingexperte und Pharmakologe Fritz Sörgel als bemerkenswert. „Wenn das stimmt, wenn es so lange keine überhöhten Werte gab, dann kommt sie aus der Nummer nur noch schwer heraus.“ Denn niemand, der an einer Anomalie leide, könne über diesen langen Zeitraum hinweg normale Retikulozytenwerte haben. Sörgel sieht für Pechstein nur noch eine Chance, für Klarheit zu sorgen: „Sie muss sich unter Quarantäne testen lassen.“ Pechstein hatte auf diese Forderung bislang nicht reagiert.

In der Diskussion ist weiterhin auch ein anderer ungewöhnlicher Wert. Bei einem Wettkampf im Februar 2004 hatte Pechstein einen hohen Hämoglobinwert von 16,5. Damit war der Grenzwert erreicht. Auffällig ist für Sörgel, dass man überhaupt auf so eine Zahl kommt. Die könne man etwa über die Zufuhr von Blut erreichen, also über Blutdoping oder das Dopingmittel Epo. Pechstein könnte aber auch aus genetischen Gründen auf solch einen Wert kommen. Die 37-Jährige führt eine Blutkrankheit als Erklärung an.

Auffällig für Sörgel ist aber auch, dass der Hämoglobinwert innerhalb von drei Tagen auf 13,8 abfiel. „Physiologisch ist das nicht zu erklären“, sagt der Pharmakologe. So viel Wasser könne man gar nicht trinken. Möglich sei diese Reduzierung für ihn nur, wenn man Blut abzapfe. Verboten wäre so etwas nicht. Pechstein bestreitet Doping vehement. Ihr Manager Ralf Grengel lehnte gestern eine Stellungnahme ab und verwies auf eine Pressekonferenz, die bald stattfinden solle.

Sportlich muss sich Pechstein weiter einschränken. „Es geht in erster Linie um aus öffentlichen Mitteln gefördertes Training, daran darf sie nicht partizipieren. Sie kann ihr Training selbst finanzieren“, sagte Heinze. Pechstein habe sich bisher nicht regelmäßig an dem Training des Männerteams, das in Berlin ist, beteiligt.

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