Fußball : Alte Doping-Vergehen verjährt

Die Doping-Sünden der Vergangenheit in West und Ost bleiben ungesühnt. Stattdessen will der Deutsche Fußball-Bund verstärkt an einer sauberen Zukunft arbeiten.

Frankfurt/MainDer Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat angekündigt, in der neuen Saison die Doping-Tests auszuweiten. Am 4. Juli soll es in der DFB-Zentrale in Frankfurt zu einer Sitzung mit allen Doping-Ärzten des DFB kommen. "Es gilt bei uns für alle Doping-Kontrollen das unangemeldete Zufallsprinzip. Wo Missstände aufgedeckt werden, werden wir diesen Vorfällen konsequent nachgehen", betonte DFB-Mediendirektor Harald Stenger.

Die Vergehen im Profi-Fußball in der Bundesrepublik und der DDR in den 70er und 80er Jahren werden hingegen nicht mehr sportrechtlich verfolgt, da eine Verjährungsfrist von acht Jahren gilt. "Somit fallen die geschilderten Delikte in den 70er und 80er Jahren unter die Verjährungsfrist", bestätigte Stenger. Im Zuge der Überarbeitung der Doping-Kontrollen habe der Verband Ende 2006 die Frist von sechs Monaten auf acht Jahre ausgeweitet. Zudem hat der DFB bereits am 23. Mai die Einführung eines Doping-Präventionsprogramms für die Bundesligen der A- und B-Junioren beschlossen habe - lange vor den Aussagen von Peter Neururer.

Altlasten auch bei Ost-Clubs

Der ehemalige Bundesliga-Trainer hatte behauptet, dass das Doping mit Captagon im Profi-Fußball in den 80er Jahren gang und gäbe gewesen sei und damit die Doping-Diskussion neu entfacht. Schon vor 20 Jahren hatten Spieler von der Einnahme von Captagon berichtet. Auch die Doping-Altlasten bei Ost-Fußballclubs sind lange bekannt, komplette Teams sollen gedopt und vor allem vor Europacup-Heimspielen sollen Amphetamine eingesetzt worden sein.

Im DDR-Spitzenfußball soll in den 70er und 80er Jahren in größerem Stil mit Aufputschmitteln gedopt worden sein. Nachdem der Potsdamer Sporthistoriker Giselher Spitzer schon vor dreieinhalb Jahren Material vom Einsatz unerlaubter Mittel vorgelegt hatte, veröffentlichte die "Bild"-Zeitung nun ein Analyseprotokoll des zentralen DDR-Doping-Labors in Kreischa vom 17. November 1983. Demnach sind gleich zwölf Spieler des ehemaligen DDR-Serienmeisters BFC Dynamo positiv auf Amphetamin und Methamphetamin getestet worden.

Alle Profis auf einen Schlag testen?

Verbandspräsident Theo Zwanziger sagte im "Kicker", dass es bereits "Trainings- und Wettkampfkontrollen und strengste Bestrafungen" gebe. Seit 1988 habe es "wenige Verstöße" gegeben. Bisher kontrollierte der DFB in zwölf Ligen und Wettbewerben regelmäßig. Geprüft werde, ob künftig sogar an einigen Bundesliga-Spieltagen auf einen Schlag alle Profis getestet werden können, berichtete der DFB-Chef: "In der Praxis wäre das möglich. Die Details muss man mit der Liga besprechen." Noch fehlten dazu aber die logistischen Voraussetzungen. Im Vorjahr hat der DFB rund 243.000 Euro für Wettkampfkontrollen ausgegeben.

Unterdessen bezog Neururer zu seinen jüngsten Doping-Äußerungen beim DFB mündlich Stellung. "Wir haben ihn gebeten, diese Stellungnahme so schnell wie möglich schriftlich vorzulegen", berichtete Stenger. Neururer hatte sich am Montagmorgen telefonisch beim DFB-Direktor Recht, Stefan Hans, gemeldet.

Die neuerlichen Doping-Vorwürfe Neururers sind für Zwanziger ein Alarmzeichen: "Wir dürfen nicht in Routine erstarren und müssen stets aufs Neue darüber nachdenken, dass der Kampf gegen Doping eminent wichtig ist." Laut "Kicker" hatten bereits nach dem Erscheinen von Harald Schumachers Enthüllungsbuch "Anpfiff" im Februar 1987 insgesamt 31 Profis ausgesagt, dass in der Bundesliga gedopt werde.

Teamärzte: Spieler nahmen in den 70er und 80er Jahren Captagon

Unterdessen gaben erstmals zwei ehemalige Teamärzte von Eintracht Braunschweig zu, dass in den 70er und 80er Jahren Profis mit Captagon gedopt hatten. "Solche Mittel wurden im Kreis der Spieler offen gehandelt, und ich habe davon gewusst", sagte der Mediziner Peter Harms der "Braunschweiger Zeitung". Sein Nachfolger Jürgen Stumm erklärte: "Es gab Spieler, die Captagon genommen haben, Mitte und Ende der 80er Jahre." (Von Benjamin Haller und Jens Mende, dpa)

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