Gerolsteiner-Chef im Interview : "Wir konnten Schumacher nicht loswerden"

Gerolsteiner-Chef Hans-Michael Holczer über die positive Dopingprobe seines Fahrers Stefan Schumacher.

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Wütender Boss. Gerolsteiner-Boss Holczer prüft rechtliche Schritte gegen Schumacher.Foto: ddp

Herr Holczer, was haben Sie gedacht, als die Nachricht vom positiven Befund Stefan Schumachers kam?


Ich betreibe hier seit zweieinhalb Jahren nur noch Krisenmanagement. Es war kein besonderer Moment, bei dem ich dachte, „Oh Gott, das ist eine Katastrophe“. Der Name Schumacher schwirrte schon länger rum, große Emotionen hat das bei mir nicht ausgelöst.

Was werden Sie jetzt tun?

Unser Anwalt prüft das gesamte Spektrum der rechtlichen Möglichkeiten, wie wir gegen den Vertragspartner Schumacher vorgehen können. Dabei geht es auch darum, zum Ausdruck zu bringen, dass ich nicht Teil dieser Sache bin – auch nicht duldend.

Wie war denn Ihr Verhältnis zu Ihrem Fahrer Schumacher?

Seit seinem Autounfall im vergangenen Jahr (bei dem er das Aufputschmittel Amphetamin im Blut hatte, d. Red.) sehr sachlich. Es gab im Frühjahr einen Termin mit Anwälten, um auszuloten, wie man ihn loswerden kann. Da hätten wir wohl keine Chance gehabt.

Stattdessen durfte er bei der Tour de France starten.

Ihn nicht starten zu lassen, hätte auch Probleme gebracht. Es gab im gesamten Jahr 2008 keine medizinischen Auffälligkeiten. Er ist ja auch nicht auf einmal in den Bergen allen davon gefahren. Ich halte es auch für sehr kurz gedacht und polemisch, dass mir jetzt Betriebsblindheit vorgeworfen wird.

Das hat der geständige Doper Patrik Sinkewitz gesagt – und dass Ihre Haltung unglaubwürdig sei und noch schlimmer als Doping.

Als überführter Dopingsünder würde ich mir das auch so zurechtlegen wollen.

Sie haben sich in den vergangenen Jahren im Kampf gegen Doping exponiert. Hat das überhaupt irgendetwas gebracht?

Spätestens seit Danilo Hondo 2005 positiv war, gehörte es für einen Teamchef dazu, einen Rest an Misstrauen zu haben. Wenn man sieht, was alles passiert ist, geht man geschäftsmäßig damit um.

Ihr Team löst sich zum Saisonende auf, weil Sie keinen neuen Sponsor gefunden haben. Was machen Sie danach?

Bisher sah es so aus, dass ich im Radsport bleiben könnte. Jetzt muss man abwarten, ob dem noch so ist.

Das Gespräch führte Mathias Klappenbach

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