INTERVIEW : „Nicht nur im Radsport wird gedopt“

Herr Thevis, wieder erschüttert ein Dopingfall die Tour. Warum tauchen eigentlich speziell im Radsport immer wieder Dopingfälle auf?

Es gibt mindestens genauso viele Dopingfälle in anderen Sportarten. Es ist nur so, dass es die Öffentlichkeit im Radsport intensiver wahrnimmt, weil der Radsport aufgrund der vielen Skandale in den vergangenen Jahren ein besonders angeschlagenes Image hat.

Der Fußball steht auch sehr im Fokus der Öffentlichkeit. Dort wird das Thema Doping aber weitestgehend totgeschwiegen. Es heißt dann, beim Fußball würde Doping nichts bringen.

Radsport ist besonders ausdauerintensiv. Dort können sie mit Medikamenten deutlich größere Leistungssteigerungen erzielen als möglicherweise in Spiel- und Mannschaftssportarten. Nichtsdestotrotz kann auch im Fußball mit Dopingmitteln die Leistung gesteigert werden. Denn auch dort gibt es eine hohe Ausdauer- und Kraftkomponente und es wird sehr viel Geld verdient. Deshalb ist nicht auszuschließen, dass im Fußball ebenfalls gedopt wird. Zudem hat es jahrelang so gut wie keine Trainingskontrollen gegeben. Doch das hat sich enorm gebessert.

Müssen wir bei Olympia in Peking auch wieder mit vielen Doping-Fällen rechnen, wie schon 2004 in Athen?

Ich denke, dass wir in Peking wenige Dopingfälle haben werden, weil im Vorfeld Sportler, Verbände und Zuschauer für das Thema Doping sensibilisiert wurden. Da möchte sich kein Sportler und kein Verband die Blöße geben, wegen eines Dopingvergehens aufzufallen.

Mario Thevis ist Dopingforscher an der Sporthochschule Köln. Das Gespräch führte Matthias Bossaller.

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