Kommentar : Die Muskeln des Fußballs

Friedhard Teuffel erklärt, warum Olympia auf einen Sport verzichten soll, der die Dopingbekämpfung nicht ernst nimmt und für sich Sonderrechte beansprucht.

Friedhard Teuffel

Kleine Zänkereien zwischen dem Fußball und Olympia sind im Sport längst zur Gewohnheit geworden. Etwa: Müssen die Vereine Spieler für Olympia freistellen? In London 2012 bei den nächsten Sommerspielen könnten solche Diskussionen ausfallen. Weil der Fußball nicht mehr dabei ist.

Darauf legt es der Weltverband Fifa gerade an. Das neue Dopingkontrollsystem will die Fifa so nicht hinnehmen. Und sie hat in der Tat recht mit der Begründung, dass die Dopingkontrollen einen Eingriff in die Privatsphäre bedeuten. Nur existiert leider kein anderes Modell, das Doping wirksam eindämmen könnte. Und geradezu putzig ist die Forderung des Fifa-Präsidenten nach einem Urlaub ohne Dopingtests. Schöne Ferien!

Wenn die Fifa bei ihrer Haltung bleibt, gibt es nur eine Möglichkeit: den Fußball von Olympia auszuschließen. Der Fußball kann es sich vielleicht noch leisten, Doping halbherzig zu bekämpfen. Die Olympischen Spiele schon lange nicht mehr. Mit aller Konsequenz muss das IOC daher seine Regeln umsetzen. Auch auf die Gefahr hin, bei den Spielen einige Helden zu verlieren.

Der Fußball dagegen hat kaum etwas zu verlieren und glaubt daher wieder einmal, sich alles herausnehmen zu können. Der deutsche Verbandspräsident Theo Zwanziger spricht von einer „argumentativen Sonderrolle“ und „Spezifika des Fußballs“. Welche Spezifika? Gerade erst hat sein Verband Defizite in der Dopingbekämpfung beheben müssen. Doping nicht ernst zu nehmen, das ist die Sonderrolle des Fußballs.

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