Kommentar : Doping: Die Kleinen fängt man

Im Zeitalter des Dopings hat der Sport seine Eindeutigkeit verloren. Friedhard Teuffel kann die jüngsten Dopingmeldungen nicht mehr erklären.

Friedhard Teuffel

Großer Jubel an der Front gegen Doping: Nachdem fünf jamaikanische Leichtathleten bei Tests aufgefallen sind, hat es jetzt auch fünf Brasilianer erwischt. Hatten nicht die Jamaikaner bis vor Kurzem noch nicht einmal eine Anti-Doping-Agentur? Hatten sich nicht gerade deutsche Athleten immer wieder darüber beschwert, dass es abseits der Industrieländer keine richtigen Dopingkontrollen gibt? Also müsste nun Freude herrschen, weil die beiden Nachrichten für etwas mehr Gleichberechtigung im internationalen Sport sprechen.

Doch auch einmal abgesehen davon, dass Dopingmeldungen eigentlich nie glücklich machen, allenfalls schadenfroh, müssen diese Nachrichten kein Erfolg der Dopingbekämpfung sein. Dass gerade kurz vor den Weltmeisterschaften in Berlin Leichtathleten auffliegen, könnte genauso gut das Ergebnis von Ausreisekontrollen sein. Kurz vor Abflug noch einmal testen, wessen Körper die Mittel noch nicht abgebaut hat und wer am Ort der Veranstaltung dem Land Schande bereiten könnte. Dann doch lieber die Reisekosten sparen. Außerdem sieht es merkwürdig aus, dass in Jamaika eher die Athleten aus der zweiten Reihe auffällig geworden sind. Die Kleinen fängt man und die Großen lässt man laufen?

Dass nun noch einige Spitzensportler überführt worden sind, wird die Voreingenommenheit gegenüber außergewöhnlichen Leistungen bei der Leichtathletik- WM jedenfalls nicht vertreiben können. Im Zeitalter des Dopings hat der Sport seine Eindeutigkeit verloren. Auch die Eindeutigkeit, wie Ergebnisse von Dopingtests zu bewerten sind.

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