Leichtathletik : Fünf frühere DDR-Trainer gestehen Doping

Fünf Trainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes haben sich in einer Erklärung dazu bekannt, in der DDR wissentlich Dopingmittel verabreicht zu haben und entschuldigen sich bei den Opfern.

Friedhard Teuffel

Klaus Baarck aus Neubrandenburg (Siebenkampf), Gerhard Böttcher aus Halle/Saale (Diskuswurf), Rainer Pottel aus Berlin (Sprung/Mehrkampf), Maria Ritschel aus Halle Saale (Speerwurf) und Klaus Schneider aus Magdeburg (Kugelstoßen) können nach dieser Erklärung mit einer Weiterbeschäftigung und einer Finanzierung aus Steuermitteln rechnen. Denn sowohl das Bundesinnenministerium als auch der Deutsche Olympische Sportbund und der Deutsche Leichtathletik-Verband haben ihre Erklärung angenommen.

„Das ist ein sportgeschichtlicher Moment“, sagte Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, „wann hat jemand schon mal den Mut, einen solchen Schritt zu tun?“ Ob die Erklärung nur zustande gekommen ist, weil die Trainer ihre Finanzierung sichern wollten, darüber mochte Prokop nicht urteilen. „Man kann jetzt endlos über die Motive forschen, aber was hilft es uns?“ Sein Verband sehe diese Erklärung auch nicht als Schlussstrich, sondern als Schritt Richtung Aufarbeitung.

Die fünf Trainer schreiben: „Wir waren im Einzelfall am Einsatz unterstützender pharmazeutischer Substanzen (Dopingmittel) beteiligt. Uns war bekannt, dass dies den Regeln des Sports widersprach, doch fühlten wir uns durch die Vorgaben des Staates legitimiert. Bei einer Weigerung, diese Mittel weiterzugeben, hätten uns der Ausschluss aus dem Leistungssport und damit erhebliche berufliche Nachteile gedroht.“

Die Einbindung in ein staatlich organisiertes Dopingsystem sieht der aus dem Westen stammende Chefbundestrainer Herbert Czingon als mildernden Umstand: „Es war eine andere Kultur in der DDR. Da kann man nicht von individueller krimineller Energie ausgehen.“ Die Trainer hätten sich durch jahrelange saubere Arbeit nach der Wiedervereinigung bewährt.

Darauf legen auch die fünf Trainer in ihrer Erklärung Wert: „Seit 1991, also in mehr als achtzehn Jahren, haben wir durch unsere Arbeit bewiesen, dass wir uns zu dopingfreiem Hochleistungssport bekennen und dafür einsetzen. Wir werden uns auch in der Zukunft für einen dopingfreien Sport kompromisslos engagieren.“ Auch die dritte Forderung von Bundespolitik und Sportverbänden – neben Schuldeingeständnis und Verpflichtung zum Einsatz gegen Doping – erfüllen die Trainer in ihrer Erklärung: eine Entschuldigung bei den Opfern. „Soweit die Sportler durch den Einsatz von Dopingmitteln gesundheitliche Schäden davongetragen haben sollten, sind wir tief betroffen und bedauern dies sehr. Die daran beteiligten Trainer entschuldigen sich ausdrücklich dafür“, schreiben sie.

Diese Erklärung kommt jedoch für einige Opfer des DDR-Staatsdopings zu spät. Erst in der vergangenen Woche hatten sie noch einmal darauf hingewiesen: „Wir akzeptieren keine pauschalen Entschuldungsschreiben von Trainern, die zwanzig Jahre lang ihre Geschichte weggelogen und sich damit Einstellungsverhältnisse erschlichen haben. Ein universaler Entschuldungstext meint niemanden und respektiert niemanden.“ Zu den Unterzeichnern gehört die Sprinterin Ines Geipel, die Schwimmerin Karen König und Kugelstoßer Andreas Krieger, der sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hatte.

Formal scheint das Kapitel dennoch zumindest für die fünf Trainer 20 Jahre nach dem Fall der Mauer beendet zu sein.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble begrüßte jedenfalls die Erklärung genauso wie Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. „Auf dieser Basis kann den betreffenden Trainern eine neue Chance eingeräumt werden“, teilte Bach mit.

Schäuble erklärte, er werde einer Weiterbeschäftigung der Trainer nicht im Weg stehen. Es ist gut möglich, dass nun auch belastete Trainer aus anderen Sportarten eine ähnliche Erklärung abgeben.


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