Leichtathletik : Jones gesteht und tritt zurück

Marion Jones ist von ihrer Dopingvergangenheit eingeholt worden. Unter Tränen verkündete die ehemals schnellste Frau der Welt nun ihren Rücktritt vom Leistungssport.

Heiko Oldörp[dpa]
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Marion Jones: ''Ganz dummer Fehler'' -Foto: AFP

New York/BostonErst am Ende ihrer Karriere hatte Marion Jones den Mut zur ganzen bitteren Wahrheit. "Ja, ich habe gegenüber den Untersuchungsbehörden gelogen, das war ein ganz dummer Fehler von mir, für den ich voll verantwortlich bin", sagte die 31-Jährige am Freitagabend vor einem New Yorker Gericht.

Der letzte Schritt war der schwerste. Jones widersprach vor Gericht ihren Aussagen, die sie bei einer Anhörung vom November 2003 gemacht hatte. Damals wurde sie im Zuge des Balco-Skandals befragt - und bestritt jeglichen Dopingmissbrauch vehement. Jetzt gab die Amerikanerin an, von September 2000 bis Juli 2001 Steroide genommen zu haben, unter anderem auch "einige Male vor den Olympischen Spielen in Sydney". Die verbotene Substanz habe sie von ihrem Trainer Trevor Graham bekommen.

Jones gibt Falschaussage zu

Ihr Coach, so Jones, habe ihr gesagt, es handele sich um Leinsamenöl. Aber im November 2003 habe sie schließlich gemerkt, dass es leistungssteigernde Mittel waren, denn sie habe sich "irgendwie anders gefühlt, intensiver trainiert und schneller regeneriert", betonte Jones vor Gericht. Die Kalifornierin bekannte sich außerdem schuldig, im Zusammenhang mit einem Scheck-Betrug gegenüber den Untersuchungsbehörden gelogen zu haben. Jones hatte 2005 behauptet, nichts von einer Verwicklung ihres ehemaligen Freundes und Vaters des gemeinsamen Sohnes Monty, Ex-Weltrekordler Tim Montgomery, in einen millionenschweren Kriminalfall gewusst zu haben.

Die Staatsanwaltschaft hat für Jones wegen Falschaussage eine Haftstrafe von maximal sechs Monaten vorgeschlagen. Das Gericht muss dieser Empfehlung jedoch nicht folgen. Das Gesetz sieht bei Falschaussage pro Einzelfall ein Höchst-Strafmaß von fünf Jahren Gefängnis und 250.000 Dollar Geldbuße vor. Das Urteil soll am 11. Januar 2008 gefällt werden. "Es ist eine riesige Schande, dass ich jetzt hier stehe und sage, dass ich euch alle betrogen habe", schluchzte Jones, die Familie, Freunde und Fans um Vergebung bat.

IOC will Jones Olympiamedaillen aberkennen

"Es ist keine Überraschung, dass sie leistungssteigernde Mittel genommen hat", betonte Richard Pound, der Chef der Welt-Antidoping-Agentur (Wada). Jones sei schon lange tatverdächtig gewesen, aber man habe ihr nie etwas beweisen können. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) kündigte an, der Athletin ihre 2000 in Sydney gewonnenen drei Gold- und zwei Bronzemedaillen aberkennen zu wollen.

"Wir werden in der Sache schnell vorankommen. Der Fall ist klar, ich denke, dass wir bis Jahresende damit durch sind", sagte der deutsche IOC-Vizepräsident Thomas Bach, der die 2004 begonnenen Doping-Untersuchungen des IOC gegen Jones leitet. "Wir freuen uns, dass endlich etwas Licht in die Sache kommt", meinte Bach.

Ironie des Schicksals: Thanou rückwirkend Olympiasiegerin?

Das nächste Treffen der IOC-Exekutive ist vom 10. bis 12. Dezember in Lausanne. Gemäß seinen Statuten ist das IOC bemächtigt, Medaillen acht Jahre rückwirkend abzuerkennen und die Resultate zu annullieren. Ironischerweise könnte ausgerechnet die Griechin Ekaterina Thanou, seit den Spielen 2004 selbst mit Dopinggerüchten konfrontiert, nachträglich zur 100-Meter-Olympiasiegerin von Sydney erklärt werden.

"Frau Jones sollte umgehend ihre Olympia-Medaillen zurückgeben, die sie durch Verstoß gegen die Regeln gewonnen hat", forderte der Präsident des amerikanischen Olympischen Komitees, Peter Ueberroth. Auch der Leichtathletik-Weltverband IAAF will umgehend Untersuchungen aufnehmen. Somit könnte Jones auch ihre sieben WM-Medaillen, darunter fünf goldene, verlieren.

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