Marion Jones : Tränenreiches Ende

"Es ist eine riesige Schande, dass ich jetzt hier stehe": Olympiasiegerin Marion Jones gesteht ihren Dopingmissbrauch und tritt vom Leistungssport zurück

Frank Bachner
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Öffentliche Beichte. Marion Jones gibt zu, mehrfach gelogen zu haben. -Foto: dpa

Berlin - Die Journalisten und die Kameraleute hatten sich wie eine Wand vor ihr aufgebaut, ganz nahe waren sie gekommen, damit sie auch jede Einzelheit, jede Träne, jede Gesichtsregung mitbekommen. Denn hier, vor dem Distriktgericht in White Plains, US-Bundesstaat New York, würde entweder gleich eine sorgsam inszenierte rührselige Show stattfinden oder ein ehrliches, ergreifendes Geständnis verkündet. Wahrscheinlich tendierten viele Beobachter der Szenerie zu Version zwei. Wie Marion Jones, die dreimalige Olympiasiegerin, stockend, mit tränenerstickter Stimme am Freitag in der Öffentlichkeit ihre Lebensbeichte ablegte, das hatte etwas Authentisches. Keine Spur mehr von der Sprinterin, die sich auf der Tartanbahn inszeniert hatte, stattdessen stand dort eine gebrochene Frau, die sagte: „Ich habe gegenüber den Untersuchungsbehörden gelogen, das war ein ganz dummer Fehler von mir, für den ich verantwortlich bin.“ Ein Pflichtsatz fehlte dann noch, eine konsequente Aussage nach dem ganzen Spektakel. Marion Jones sagte ihn so emotional wie alle anderen Sätze: „Ich trete vom Sport zurück.“ Sie ist 31, sie ist am Ende, in vielerlei Hinsicht. Pleite, als Lügnerin abgestempelt, vielleicht bald sogar in Haft.

Zweimal hat sie Bundesbehörden belogen: Vor einer Grand Jury in San Francisco, die den Balco-Dopingskandal untersuchte, hatte sie im November 2003 erklärt, nie verbotene Substanzen genommen zu haben. Nun erklärt sie: „Ich habe von September 2000 bis Juli 2001 Steroide genommen, aber auch einige Male vor den Olympischen Spielen in Sydney 2000.“ Zweite Lüge: Sie hatte geschworen, nichts mit einem Fall von Scheckfälschung und Geldwäsche zu tun zu haben, in den ihr damaliger Trainer Steve Riddick und ihr früherer Lebensgefährte Tim Montgomery verwickelt waren. Die Wahrheit: Jones erhielt 25 000 Dollar.

„Es ist eine riesige Schande, dass ich jetzt hier stehe und sage, dass ich euch alle betrogen habe“, sagte Jones schluchzend und meinte vor allem ihre Familie und ihre Freunde. Das Gesetz sieht bei Falschaussagen pro Fall eine Höchststrafe von fünf Jahren Gefängnis und 250 000 Dollar vor. Das Urteil soll am 11. Januar 2008 gefällt werden. Das Internationale Olympische Komitee kündigte an, dass es der US-Amerikanerin die drei Gold- und zwei Bronzemedaillen aberkennen werde, die Jones bei den Olympischen Spielen 2000 gewonnen hat.

Nur: Gold über 100 Meter bei den Olympischen Spielen in Sydney könnte nun ausgerechnet Ekaterina Thanou erhalten, die Griechin, die vier Jahre später in den spektakulärsten Dopingskandal der Olympischen Spiele in Athen verwickelt war. Thanou und ihr Sprinterkollege Konstantinos Kenteris haben nach Ermittlungen der Staatsanwaltschaft von Athen einen Tag vor den Olympischen Spielen einen Motorradunfall inszeniert, um einer Dopingkontrolle zu entgehen. Die Griechen standen schon lange im Verdacht, sich mit unerlaubten Mitteln auf Höchstgeschwindigkeit zu bringen. Sie gaben ihre Akkreditierungen zurück, später verurteilte sie der Leichtathletik-Weltverband IAAF provisorisch zu zwei Jahren Sperre. Der griechische Verband dagegen sprach die Athleten frei. Begründung: Beide hätten der Kontrolle nicht entgehen wollen, sie seien stattdessen zu spät informiert worden. Gegen dieses Urteil legte die IAAF Berufung vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas ein. Der Cas gab der IAAF Recht. (mit dpa)

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