Offener Brief : DDR-Dopingopfer fordern Unterstützung

"Bitte handeln Sie jetzt! Jetzt!", heißt es in einem Offenen Brief zahlreicher Dopingopfer an Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. Sie fordern Unterstützung, weil sich die Verbände "zahnlos" zeigten und sich der Deutsche Olympische Sportbund "verschämt" zurückhalte.

BerlinVorgelegt hat den schriftlichen Appell der Dopingopfer-Hilfeverein (DOH). Der Sport sei "krank" und brauche "wirkliche politische Verantwortung, mit einer klaren Haltung und mit Konsequenz", wünschen sich die ehemaligen Sportler. Der Minister habe angesichts von DDR-Staatsdoping vor 20 Jahren selber einmal gefordert: "Irgendwann muss der Blick auch mal nach vorn gehen." Ines Geipel, Initiatorin vieler Aktionen und als Sprinterin selbst Opfer geworden, hielt dem entgegen: "Wie aber kann der Blick nach vorn gelingen, wenn Sport und Politik die über viele Jahre geleistete Aufarbeitung ohne mit der Wimper zu zucken hintergehen?"

Die Dopingopfer fordern darüber hinaus eine Lösung bei der Sonderrente für besonders schwer geschädigte Dopingopfer. Sie bemängeln hier "wenig Entscheidungsfreude von Seiten der Politik".

Kritik üben sie auch an der Weiterbeschäftigung von Trainern, die des Dopings verdächtigt werden. Das kriminelle Tun der DDR-Trainer dürfe nicht, wie geschehen, "derart banalisiert, die mittels Prozessen geklärten Straftatbestände um jeden Preis nivelliert und die Opfer in den vergangenen Wochen so lauthals diskreditiert werden". Auch Andreas Krieger zeigte sich bestürzt darüber, dass Leichtathletik-Trainer weiter beschäftigt werden, die ihre Einbindung in das DDR-Dopingsystem inzwischen sogar zugegeben haben.

Als Beispiel nannte er den Fall Werner Goldmann, der nach wie vor den Diskuswerfer Robert Harting betreut. Auf Harting ruhen bei der WM in Berlin große Hoffnungen. "Dieser Mann gehört für mich überhaupt nicht mehr in den Sport. Er hätte nach der Wende die Gelegenheit gehabt, einer ehrlichen Arbeit nachzugehen", meinte Krieger.

Krieger sprach auch an, dass er sich mit seiner Kritik wenig Freunde macht: "Für die ehemaligen Sportler bin ich ein Nestbeschmutzer, für die heutigen Aktiven bin ich ein Gegner." Doch in die Opferrolle wollen sie sich nicht drängen lassen: "Wir verstehen uns nicht als die trantutigen Opfer, sondern wollen ein Stück mit aktive Sportpolitik betreiben", versicherte Ines Geipel.

Um auf die Situation der DDR-Dopingopfer aufmerksam zu machen, sollen Studenten an zwei Tagen vor dem Olympiastadion bei der Aktion "Stand up clean heroes" (Steht auf, Ihr sauberen Helden) 20.000 Brillen verteilen.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa, sp

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