Rad-WM : Doper bitte draußen bleiben

Die Rad-WM in Stuttgart findet statt – an strenge Kontrollen glauben viele Politiker nicht. Verdächtige Profis dürfen aber nicht an den Start.

Robert Ide,Mathias Klappenbach

Berlin - Bei großen Veranstaltungen wird in der Politik nicht an den Sicherheitsvorkehrungen gespart. Gleiches gilt nun für die Sportart, deren Zukunft gerade stark gefährdet ist und über die auch die Politik mitentscheidet. Die Rad-Weltmeisterschaften in Stuttgart vom 25. bis 30. September werden wie geplant stattfinden – unter so strengen Bedingungen wie nie zuvor. „Die Stadt steht als Ausrichter zur Verfügung. Die Chance auf eine Wende im Radsport besteht“, sagte gestern Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU). Der Entscheidung vorausgegangen waren Gespräche mit allen beteiligten Institutionen: dem Radsport-Weltverband UCI, dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR), dem Bundesinnenministerium, dem Kultusministerium von Baden-Württemberg und dem Stuttgarter Gemeinderat.

Vor und während der WM sollen die Fahrer doppelt so oft überprüft werden wie bisher, im Ziel werden die Profis zur Kontrolle eskortiert, um ihnen keine Möglichkeit zur Manipulation zu geben. Auch die Hotels und die Teamfahrzeuge sollen den Ankündigungen zufolge untersucht werden. Wie bei der Tour de France müssen die Fahrer eine Ehrenerklärung unterschreiben, verdächtige Profis sollen nicht starten dürfen. „Solche Vorkehrungen gab es noch nie bei einer ähnlichen Sportveranstaltung“, sagte Eisenmann. „Das ist eine Chance auf einen Neuanfang.“

Andere Politiker sehen das nicht so. Peter Danckert (SPD), der Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag, sagte dem Tagesspiegel: „Es gibt offenbar vielfältige wirtschaftliche Zwänge, aus denen die Veranstalter nicht mehr herauskommen.“ Drei Millionen des Gesamtetats von fünf Millionen Euro hat Stuttgart bereist ausgegeben, bei einer Absage hätten hohe Regressforderungen beispielsweise ausländischer Fernsehsender gedroht. Danckert glaubt nicht an eine saubere Veranstaltung. „So etwas ähnliches hat man schon vor der Tour gehört. Aber trotz der Ehrenerklärungen gab es unzählige Skandale.“ Er kritisierte auch den Weltverband. „Die UCI ist kein seriöser Partner. Die würden sogar ihre Großmutter verkaufen, damit die WM stattfindet.“

Die UCI hatte die von der Stadt Stuttgart in einer Steuerungsgruppe geforderten Maßnahmen erst auf erheblichen Druck hin zugestanden. Zur Gruppe gehören neben den Verbänden die Welt- Anti-Doping-Agentur Wada und die nationale Agentur Nada. Für die Einhaltung der geplanten Maßnahmen sind nun UCI und BDR verantwortlich. Der Kartenvorverkauf für die WM verläuft schleppend.

Danckert hält die Förderung der WM mit öffentlichen Mitteln für einen Fehler: „Es handelt sich um eine Fehlleitung von Steuergeldern. Natürlich kann jeder einen Zirkus aufmachen, der möchte – aber das muss nicht noch mit Steuergeldern finanziert werden.“ Zurückhaltender äußerte sich Klaus Riegert vom Koalitionspartner CDU. „Natürlich muss sich der Radsport säubern“, sagte Riegert auf Nachfrage. „Aber man sollte auch jenen Kräften, die diesen Kampf unterstützen, Gelegenheit dazu geben.“

Die Opposition übte indes heftige Kritik. „Die WM hätte abgesagt werden sollen. Das Bündnis für einen sauberen Radsport besteht auch aus jenen, die den Kampf gegen Doping unterlaufen haben“, sagte Winfried Hermann, Sportexpetrte bei den Grünen. Auf die Frage, ob das die erste saubere WM wird, antwortete Hermann: „Da kann man den Organisatoren nur viel, viel Glück wünschen.“

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