Rad-WM : Überraschender Sieger

Bei der Rad-WM in Stuttgart gewann mit dem Italiener Paolo Bettini überraschenderweise der einzige Fahrer, der die Anti-Doping-Erklärung nicht unterschrieben hatte. Das Ergebnis dürfte für weitere Diskussionen sorgen, falls es überhaupt ernst genommen wird.

Bettini
Den Vogel abgeschossen. Der Italiener Paolo Bettini gewann die Rad-WM in Stuttgart. -Foto: AFP

StuttgartTitelverteidiger Paolo Bettini hat mit seinem WM-Sieg den Chaostagen von Stuttgart den passenden Höhepunkt beschert. Ausgerechnet der Italiener, dessen Start die Gemüter erhitzt und die Gerichte beschäftigt hatte, gewann bei der Rad-Weltmeisterschaft das Straßenrennen und wiederholte damit seinen Vorjahreserfolg von Salzburg. Der 33-Jährige setzte sich zum Abschluss der Titelkämpfe auf dem Stuttgarter Killesberg nach 267,4 Kilometern in 6:44:43 Stunden vor Alexander Kolobnew aus Russland und Stefan Schumacher durch. "Das Rennen war so unheimlich schwer, mehr war nicht drin und ich bin froh, eine Medaille gewonnen zu haben", sagte der Nürtinger.

Fünf Fahrer hatten im spannenden Finale den Sieg unter sich ausgemacht. Im Ziel verzichtete Bettini, dessen Start durch Gerichtsbeschluss verhindert werden sollte, weil er die Ehrenerklärung nicht unterschrieben hatte, auf überschwänglichen Jubel. Er zog eine Geste vor, mit der er auf imaginäre Gegner schoss. Die Siegerehrung nahm Weltverbands-Präsident Pat McQuaid vor, auch
Oberbürgermeister Wolfgang Schuster gratulierte einem finster drein blickenden Bettini, der mit Begeisterung die italienische Nationalhymne sang. Pfiffe und Buhrufe störten ihn nicht.

ZDF zeigt Krimi statt WM

Trotz der Querelen der vergangenen Tage standen mehrere Hunderttausend Zuschauer an der 19,1 Kilometer langen WM-Runde. Die
Zuschauer der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender schauten allerdings in die Röhre. Entgegen seiner Ankündigung übertrug das ZDF am Sonntag doch nicht live von der Schlussphase aus Stuttgart, sondern lieferte nur eine kurze WM-Zusammenfassung nach. Als das WM-Finale entschieden wurde, lief ein Fernseh-Krimi.

"Unsere Taktik ist aufgegangen. Wegmann und Schumacher haben ihre Sache gut gemacht. Ich hatte mich hinten bereit gehalten, falls es zum Sprint gekommen wäre", sagte der zweifache Vize-Weltmeister Erik Zabel, um dessen Start es ebenfalls Unstimmigkeiten, sogar im eigenen Team, gegeben hatte. Als die fünf Fahrer auf den letzten fünf Kilometern attackierten, konnte er nicht folgen.

Bei den zweiten Rad-Weltmeisterschaften in Stuttgart nach 1991 hatte sich auf dem anspruchsvollen Kurs in der achten von 14 Runden eine 24 Fahrer starke Spitzengruppe gebildet. In ihr fuhren aus dem neunköpfigen deutschen Team Jens Voigt und Marcus Burghardt. Aber bereits in der 11. Runde hatte das Feld 65 Kilometer vor dem Ziel aufgeschlossen. Die heißeste Phase des Rennens lag noch vor den mittlerweile nur noch 170 von 198 gestarteten Fahrern.

Spitzengruppe ließ sich nicht mehr einholen

45 Kilometer vor dem Ziel hatte sich eine etwa 65 Fahrer starke Spitzengruppe gebildet, aus der der spätere Sieger kam. Der Russe Kolobnew und Davide Rebellin (Italien) vom Team Gerolsteiner fuhren als erste mit einem 18 Sekunden-Vorsprung auf die letzte Runde. Zu diesem Zeitpunkt waren David Kopp, der U23-Weltmeister von 2006, Gerald Ciolek und Jens Voigt bereits ausgestiegen. Die nächste Attacke lancierte Rebellins Team-Kollege Fabian Wegmann. Das war die Vorentscheidung - 15 Fahrer folgten ihm. Fünf Fahrer, unter ihnen Schumacher, bogen auf die letzten fünf Kilometer und ließen sich nicht mehr einholen.

Die sportliche Bilanz des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) bei der chaotischen Heim-WM fiel mit Bronze und Gold eher bescheiden aus. Hanka Kupfernagel war im Zeitfahren der Frauen die einzige Siegerin. Allerdings feierte die 33-jährige, in Denzlingen lebende Thüringerin mit Gold ein glänzendes Comeback nach vierjähriger Abstinenz bei Straßen-Weltmeisterschaften. Deutschland war in der WM-Geschichte seit 1927 zum achten Mal Gastgeber. "Zwei Medaillen - das ist eine hervorragende deutsche Bilanz. Damit können wir zufrieden sein", sagte der umstrittene BDR-Vize Udo Sprenger. (mit dpa)

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