Radsport : ARD und ZDF geraten aus dem Takt

Der Doping-Sumpf hinterlässt auch bei den öffentlich-rechtlichen TV-Sender Spuren. ARD und ZDF gehen bei der Berichterstattung von der Tour de France nicht mehr im Gleichschritt.

Michael Rossmann,Oliver Pietschmann[dpa]

BremenDie ARD macht auf jeden Fall weiter, das ZDF fordert einen verschärften Kampf gegen Doping. "Wir werden die Tour 2008 übertragen", sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Raff. Beim ZDF gibt es hingegen eine Einschränkung. "Wir wollen eine Kontrolle durch die Wada", sagte Chefredakteur Nikolaus Brender. Die Welt-Anti-Doping-Agentur müsse miteinbezogen werden.

"Wir wollen klare Festlegungen rechtzeitig vor dem Start der Tour 2008", sagte Brender: "Dann entscheiden wir, ob und wie wir übertragen." Der Chefredakteur des ZDF verlangte: "Die Doping-Regeln müssen klar sein." Er geht nach dem derzeitigen Stand davon aus, dass die Forderungen erfüllt werden.

ARD beruft sich auf "Chronistenpflicht"

Die ARD machte für das kommende Jahr keine Einschränkungen. Er sehe im Moment "nichts, das uns einschränkt", sagte Raff. Man sehe, dass viele Maßnahmen im Kampf gegen Doping bereits Ergebnisse gezeigt hätten. "Für uns kann die Feststellung von Doping nicht die einzige Maßgabe für Übertragungen sein", erklärte der ARD-Vorsitzende. Die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Senders sei es auch, der "Pflicht als Chronist" nachzukommen.

"Die Tour de France bleibt das herausragende Radsportereignis", betonte Raff. Zudem gebe es noch einen laufenden Vertrag. Die Option, den Kontrakt zu verlängern, sei jedoch nicht wahrgenommen worden. Die Europäische Rundfunk Union EBU sei damit beauftragt, neu zu verhandeln.

Allerdings spielt auch die Entwicklung der Quoten eine Rolle. Langfristig sei entscheidend, "wie die deutschen Fahrer wahrgenommen werden". ARD-Programmdirektor Günter Struve machte die Abhängigkeit von der Publikumsgunst am Beispiel der Sportart Tennis deutlich, die in den großen Programmen überhaupt keine Rolle mehr spielt: "Tennis hat keinen Wert mehr."

Sponsoren-Ausstieg für ARD irrelevant

Der Ausstieg der Telekom aus dem Radsport hat auf die ARD-Entscheidung keinen Einfluss. "Wir machen unsere Berichterstattung nicht davon abhängig, ob ein Sponsor dabei ist oder nicht", sagte Raff. Auch die Deutschland-Tour werde von der ARD 2008 übertragen, wenn "sie überhaupt stattfindet".

Das ZDF, das seit 2000 mit der ARD die Frankreich-Rundfahrt überträgt, vertritt eine andere Position. "Wir haben ein klare Linie", sagte Chefredakteur Brender. Er bemängelte die unklaren Zuständigkeiten bei der Doping-Bekämpfung. "Das Problem liegt bei den nationalen und internationalen Radsportverbänden", monierte er.

Die Tour hat schon die Gelbe Karte gesehen

ARD und ZDF hatten in diesem Sommer mit ihrem Ausstieg aus der Tour-Berichterstattung für Aufsehen gesorgt. Nachdem der Dopingfall Patrik Sinkewitz bekanntgeworden war, stoppten die beiden TV-Sender die Live-Übertragung des sportlichen Großereignisses. Der Privatsender Sat.1 sprang ein, weil ARD/ZDF aus Angst vor Schadenersatzklagen die Rechte weiterreichten, und erzielte extrem schwache Quoten. Der ZDF-Chefredakteur sprach damals von einer "Gelben Karte für die Tour".

Bei den folgenden Großveranstaltungen waren die Sender wieder dabei. Die ARD übertrug die Deutschland-Tour, das ZDF die WM in Stuttgart - allerdings sehr eingeschränkt. So zeigte das Zweite Frauenrennen live, bei den Herren beschränkten sich der Sender aber auf kurze Zusammenfassungen.

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