Radsport : Das Fass voller Ekel läuft über

Jörg Jaksche ist froh, dass das Lügen ein Ende hat. Die Folgen des Doping-Geständnisses des Radprofis, nur wenige Tage vor Beginn der Tour de France, sind noch nicht absehbar.

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Jörg Jaksche: "Wenn mich jemand verklagen will: Bitte, gerne." -Foto: AFP

Stuttgart/MünchenRadprofi Jörg Jaksche fühlt sich nach seinem Doping-Geständnis befreit. "Damit bin ich mit mir erstmals wieder im Reinen. Ich bin einigermaßen befreit, weil die Sache vorbei ist und ich jetzt niemanden mehr großartig anlügen muss", sagte der 30 Jahre alte Ansbacher dem Radiosender Bayern 3. Er stehe jetzt der Sportjustiz mit Informationen zur Verfügung, die er in zehn Jahren gesammelt habe, um den Sport sauberer zu machen. "Es geht nicht darum, irgendjemandem ans Bein zu pinkeln oder an die Wand zu fahren. Es geht einfach um das Wohl des Sports. Wenn mich jemand verklagen will: Bitte, gerne", sagte Jaksche.

Zu seinem Geständnis und möglichen Folgen betonte er: "Ich bin von niemandem bedroht oder angemacht worden. Es gab Leute, die haben die ganze Sache in Frage gestellt, aber es war jetzt meine Entscheidung, das so zu machen und die trage ich." Jaksche betonte in dem Interview erneut, dass die Telekom-Teamleitung vom Doping wusste. "Das war ein fest installiertes System."

Jaksche sucht Kontakt zu Gerolsteiner-Manager

Nach seinem Dopinggeständnis nahm Jaksche überraschend Kontakt mit dem verfeindeten Gerolsteiner-Manager Hans-Michael Holczer auf. "Ich habe heute bei den deutschen Meisterschaften einen kurzen Anruf von ihm bekommen und bin fast umgefallen. Er wollte nur mal Hallo sagen", erklärte Holczer in der SWR-Fernsehsendung "Sport im Dritten" am Sonntagabend. Jaksche war 1995/1996 als Amateur unter Holczer in Öschelbronn gefahren. Ein unterschriftsreifes Vertragsangebot des Teams Gerolsteiner habe er später kurzfristig abgelehnt. "Ich habe mit ihm 2003 gebrochen", sagte Holczer.

Nach Ansicht des Managers versucht der Ansbacher Jaksche, der im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" ausgepackt und am Sonntag seinen Rücktritt aus seinem aktuellen Team Tinkoff bekannt gegeben hat, mit der Kronzeugenregelung "auf ein Jahr Sperre runterzukommen. Er war wohl schon bei der (Welt-Anti-Doping-Agentur) Wada."

Holczer gilt unter den Chefs der 19 ProTour-Teams ebenso wie T-Mobile-Manager Bob Stapleton als Wortführer einer harten Linie gegen Doping. Der Herrenberger räumte ein, dass die Doping-Problematik auch wirtschaftliche Folgen für ihn habe. "Im Vergleich zum 1.1. 2006 ist der Wert unserer Firma dramatisch gesunken. Das ist etwas, was mir zusetzt", sagte er über das Radsport-Unternehmen, das er und seine Frau Renate führen. "Das Team, das wir aufgebaut haben, verliert täglich an Wert."

Bjarne Riis unter Druck

Das Geständnis Jaksches eine Woche vor Beginn der Tour de France hat auch in den internationalen Medien für Aufregung gesorgt. Viele Kommentatoren befürchten verheerende Folgen für den Radsport. Andere flüchten sich in Fatalismus. Die dänischen Zeitungen sehen vor allem CSC-Teamchef Bjarne Riis nach Jaksches Anschuldigungen mächtig unter Druck.

Die Zeitung "Jyllands-Posten" stellte sich die Frage, "ob er (Riis) sich von der Tour de France zurückziehen wird". "B.T." sieht den Fortbestand des CSC-Team gefährdet: "Wenn Jaksche die Wahrheit sagt, könnte das der Tropfen sein, der das Fass voller Ekel zum Überlaufen bringt und das Ende von Bjarne Riis' CSC-Team bedeutet. Seine Anklagen sind weit ernster als das persönliche Doping-Geständnis von Riis." (mit dpa)

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