Radsport : Doping-Schlammschlacht - Jeder gegen Jeden

Die einen gestehen Doping und wollen wieder fahren. Ein anderer ist dagegen und sieht sich nun selber Vorwürfen ausgesetzt. Kompliziert? Ja, dank der Radprofis Jaksche, Sinkewitz und Fothen.

Andreas Zellmer[dpa]
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Markus Fothen -Foto: ddp

Berlin/KölnVor dem Hintergrund von Aussagen und Anschuldigungen im Zusammenhang mit Doping sind sich die geständigen Jörg Jaksche und Patrik Sinkewitz mit Markus Fothen in die Haare geraten. Jaksche unterstellte dem Profi des Teams Gerolsteiner, der sich strikt gegen eine Rückkehr der beiden "Kronzeugen" in den Radsport aussprach, Doping-Manipulationen. "Auch er war schon mal positiv auf Cortison getestet. Das konnte man damals leicht mit einem gefälschten Attest aus der Welt schaffen", erklärte Jaksche gestern während einer Podiums-Diskussion in der Sporthochschule Köln auf Fothen gemünzt. Der als Hoffnungsträger unter den deutschen Rundfahrt-Spezialisten gehandelte Fothen verteidigte sich mit dem Verweis auf eine medizinische Indikation nach einer Augen-Operation.

"Erst ewig leugnen und dann nach Überführung alles zugeben, um möglichst ins Kronzeugen-Programm zu rutschen und eine Straf-Reduzierung zu erlangen ist echt ein No-Go. Wenn Jörg und Patrik über Systeme, konkrete Doping-Praktiken und Hintermänner auspacken, ist das gut und hilfreich. Sie sollen sagen, was auf dem Markt ist, wonach die Fahnder suchen sollen, um nicht immer einen Schritt hinterher zu hinken. Aber dass solche Leute zurück in den Radsport wollen, ist ein Unding." Mit diesen Worten hatte sich Fothen in einem Interview mit ARD-online strikt gegen ein Comeback der Geständigen ausgesprochen.

"Kein Fahrer wird etwas zugeben, bevor nichts bewiesen ist"

"Wenn Herr Fothen so ein reines Gewissen hat, kann er solche Aussagen gerne machen. Ich denke aber nicht, dass die hilfreich sind. Außerdem widerspricht er sich: Einerseits will er einen sauberen Sport, andererseits hat er kein Verständnis für Leute, die da helfen wollen. Kein Fahrer wird etwas zugeben, bevor nichts bewiesen ist. Eigentlich müsste er diese Aussagen begrüßen: Wir haben aus unseren Fehlern gelernt und dafür gesorgt, dass das von ihm kritisierte System durchschaubarer wird. In meinen Augen ist es keine Lösung, geständige Fahrer oder Teammitarbeiter auszugrenzen und mit anderen weiterzumachen, die auch nicht besser sind", sagte Sinkewitz bei sport.ARD.de.

Fothen nahm im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur zu den Jaksche-Vorwürfen nur insofern Stellung, dass er noch einmal die Umstände der Cortinon-Gabe beschrieb, ansonsten wolle er sich "nicht auf dieses Niveau" begeben. "Das ist eine alte und bekannte Geschichte, die ich immer mal wieder aufs Brot geschmiert bekomme. 2004 bekam ich nach einer Augen-Operation cortisonhaltige Augentropfen verschrieben und habe das mit einem Attest belegt. Darüber hatte ich den Weltverband UCI, der 'Spuren von Cortison' in einer Wettkampf-Kontrolle festgestellt hatte, und den Bund Deutscher Radfahrer informiert", erklärte Fothen.

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