Radsport : Möglicher fünfter Dopingfall bei der Tour

Aus dem abschließenden Bericht der französischen Anti-Doping-Agentur geht hervor, dass es bei der Tour de France einen weiteren Doping-Fall gegeben haben könnte. Ein nicht genannter Fahrer hatte kein entsprechendes Attest, aber er wies Spuren von Kortikoiden auf.

Andreas Zellmer[dpa]

Peking/ParisDer Übergang von der Tour de France zu den olympischen Straßenrennen vollzieht sich beim Thema Doping nahtlos. Während besonders die spanischen Radprofis in Peking unter Kontroll-Stress leiden, legte die französische Anti-Doping-Agentur AFLD einen Bericht vor, der bald einen fünften positiven Befund der 95. Tour ans Tageslicht befördern könnte. Die Testergebnisse von 13 Fahrern haben bei den 218 Doping-Kontrollen auf französischem Boden laut AFLD Auffälligkeiten gezeigt. In dieser Zahl sind die bereits als Doper überführten Profis Moises Dueñas Nevado, Manuel Beltran (beide Spanien), Riccardo Ricco (Italien) und Dimitri Fofonow (Kasachstan) enthalten.

Die Bekanntgabe eines fünften positiven Befundes könnte bevorstehen, weil ein nicht genannter Fahrer kein entsprechendes Attest hatte, er aber Spuren von Kortikoiden aufwies. AFLD-Präsident Pierre Bordry will sich "in den nächsten Tagen" dazu äußern, berichtete die spanische Zeitung "AS" in ihrer Internetausgabe. Acht Profis hätten Ausnahme-Genehmigungen des Weltverbandes UCI und der AFLD für den Einsatz verschiedener Medikamente vorgelegt, teilte die Agentur mit. "In unserem Team gibt es solche Ausnahme-Regelungen nicht", sagte Gerolsteiner-Teammanager Hans-Michael Holczer am Freitag in Peking der Deutschen Presse-Agentur dpa. Von den 180 Tour- Startern legten laut AFLD 76 derartige Genehmigungen vor dem Start in Brest vor.

Von allen Tour-Teilnehmern - 145 beendeten das Rennen am 27. Juli in Paris - seien 95 Fahrer von der AFLD getestet worden. Neun der 16 deutschen Tour-Starter seien mindestens einmal kontrolliert worden. Das Italienische Olympische Komitee Coni hatte zusätzlich zu den 218 AFLD-Kontrollen 55 weitere Tests veranlasst, als die Tour für zwei Etappen Station in den italienischen Alpen gemacht hatte.

Spanier im Kontroll-Streß

Zwei Tage vor dem Start des olympischen Straßenrennens am Samstag in Peking wurden Tour-de-France-Gewinner Carlos Sastre, Topfavorit Alejandro Valverde, der Grüne-Trikot-Gewinner Oscar Freire und Samuel Sanchez schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage einer kombinierten Blut- und Urin-Kontrolle unterzogen, wie "AS" meldete. Der fünfte spanische Olympia-Starter, Alberto Contador, der im Vorjahr die Tour gewann und diesmal wegen der Doping-Verwicklungen seines Astana-Teams in den Jahren 2006 und 2007 nicht in Frankreich starten durfte, wurde erst am Freitag in der Olympia-Stadt erwartet. Contador und Valverde stehen in Verdacht, mit dem spanischen Doping- Doktor Eufemiano Fuentes zusammengearbeitet zu haben.

Bis zum Donnerstagabend waren die deutschen Starter in Peking einmal kontrolliert worden, bestätigte Holczer. "Heute früh wurden aber meines Wissens alle Peking-Starter komplett getestet", berichtete der Chef des Gerolsteiner-Teams, der sich bei der bisher erfolglosen Sponsoren-Suche für 2009 eine letzte Frist bis 1. September setzte, am Freitag. "Die Zeit läuft davon. Jetzt ist es nur noch etwas für schnell Entschlossene", sagte Holczer. Seine Chancen, einen Nachfolger für den Mineralwasser-Hersteller Gerolsteiner zu finden, tendieren gegen Null.

Die Topfahrer des Teams, der zweifache Tour-Etappengewinner Stefan Schumacher (Nürtingen), der Tour-Dritte Bernhard Kohl (Österreich), Markus Fothen (Kaarst), Fabian Wegmann (Münster) und Robert Förster (Markkleeberg), sind schon in konkreten Verhandlungen mit anderen Teams. Besonders interessiert zeigte sich schon während der Frankreich-Rundfahrt der nationale Rivale Milram. "Aber noch keiner hat bisher woanders unterschrieben", sagte Holczer. Der WM-Dritte Schumacher habe ohnehin mit ihm noch einen Vertrag bis 2009. "Falls ich nichts mehr finde, müsste der dann aufgelöst werden", meinte der Team-Manager aus Herrenberg.

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