Radsport : Protest ohne Wirkung

Der Doping-Kronzeuge Patrik Sinkewitz trotzt bei seinem Sieg bei der Sachsen-Tour der Ablehnung der Radprofis.

Frank Bachner
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Ungeliebter Sünder. Patrik Sinkewitz kommt im Fahrerfeld nicht gut an.Foto: dpa

Am Donnerstag und Freitag fährt Patrik Sinkewitz in Spanien, da wird nichts passieren. Ansgar Pfeiffer ist sich da ganz sicher. „Dort kennt ihn ja niemand“, sagt der Berater von Patrik Sinkewitz.

Bei der Sachsen-Tour ist etwas passiert, dort kannten viele den Radprofi und Dopingkronzeugen Patrik Sinkewitz. Und protestierten gegen den 28-Jährigen. Auf der dritten Etappe am Freitag rollten einige deutsche Fahrer gemächlich durchs Ziel – statt zu sprinten. Es sollte ein stiller Protest gegen den Kollegen sein. Doch die öffentliche Empörung darüber war größer als Sinkewitz’ Ärger. Der hat als überführter Doper schon viel mitgemacht, „dass so etwas für ihn doch wirklich nur Peanuts sind“, sagt Pfeiffer. Außerdem habe der Profi, der die Sachsenrundfahrt auch gewann, diesen Protest nicht einmal selber mitbekommen. Der Veranstalter hat nach dem Vorfall eine Fahrersitzung einberufen, bei der er die Profis zur Ordnung rief. Das war’s auch schon.

Aber Sinkewitz lebt immer noch in dieser seltsamen Rolle. Ist er der ehemalige Betrüger? Oder ist er der engagierte Aufklärer, den man unterstützen muss? Die E-Mails, die er erhält, geben keine klare Antwort, sie offenbaren höchstens eine Tendenz. Jedenfalls, wenn man Pfeiffer glaubt. „Wir bekommen jeden Monat mehr positive Mails im Verhältnis zu den negativen“, sagt er. Nach der Sachsen-Rundfahrt seien 40 Mails eingelaufen, „nur zwei waren negativ“. Wie brutal die Szene teilweise mit geständigen Dopingsündern umgeht, hat auch Jörg Jaksche, der ehemalige Team-Telekom-Fahrer, erlebt. Er fand keinen Rennstall mehr.

Im Oktober 2008 lief die Sperre von Sinkewitz ab, nach einiger Suche unterschrieb er beim zweitklassigen tschechischen Rennstall PSK Whirlpool-Author. Für seine Rennen kassiert er nun erheblich weniger als früher. Und ob der Ein-Jahres-Vertrag verlängert wird, ist noch nicht klar. Aber Pfeiffer gibt sich zuversichtlich. Zunächst konzentriert sich Sinkewitz auf die Portugal-Rundfahrt.

Der Protest bei der Sachsen-Tour war auch schnell Vergangenheit. Zwei Tage später hatten die Profis schon wieder andere Sorgen. Weil am Samstagabend die Abschlussfeier auf einem Schiff in Dresden stattfand, kamen die Fahrer später ins Bett als gewöhnlich. Danach stand die Abschlussetappe über 146 Kilometer auf dem Programm. Frank Bachner

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