Radsport : Scharpings Vize in der Defensive

Der Vize-Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, Udo Sprenger, hat eine Klage gegen Beschuldigungen in der Sendung "Report Mainz" angekündigt. Ein Informant hatte erklärt, Sprenger habe Doping geduldet und unterstützt.

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Die Spitzen des BDR: Verbandspräsident Rudolf Scharping (vorn) und sein Vize Udo Sprenger. -Foto: ddp

Der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) hat mit der Ankündigung juristischer Schritte auf die Doping-Vorwürfe gegen seinen Vize-Präsidenten Udo Sprenger reagiert. Der 61-jährige Funktionär, im Zivilberuf Kriminalkommissar, will den in der Sendung "Report Mainz" am Montagabend zu Wort gekommenen, anonymen Ankläger verklagen. Sprenger erstattete Anzeige gegen unbekannt wegen falscher Eidesstattlicher Erklärung, ohne zu wissen, wem persönlich die Beschuldigungen zuzuschreiben sind.

Das könnte zum juristischen Problem werden, weil sich die ARD auf Informantenschutz beruft, wie ein Sprecher des Polit-Magazins bestätigte. Der Gewährsmann von "Report Mainz" wird vorerst weiter unbekannt bleiben. Es gebe zudem weitere Informanten, die die Aussage des Unbekannten stützten, teilte der ARD-Sprecher weiter mit.

Am Montag war mit Wolfgang Schoppe bereits ein weiterer BDR-Vize-Präsident in die Schlagzeilen geraten. Nach einem Bericht des Tagesspiegel hatte er erklärt, dass der Doping-geständige Erik Zabel auf keinen Fall bei der Weltmeisterschaft Ende September in Stuttgart starten werde. Schoppe hatte dies umgehend dementiert.

Sprenger bleibt im Amt

Der BDR mit Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping an der Spitze, der im Vorjahr nach der Tour de France ein engagiertes Anti-Doping-Programm propagiert hatte, bestätigte Sprenger im Amt. Am Wochenende sitzt er wie geplant als Cheforganisator am Regiepult der deutschen Straßenmeisterschaften in Wiesbaden. Sprenger könnte "ein Dutzende Zeugen" benennen, die seine Aussage bestätigten, dass die ARD-Informationen falsch seien, hieß es in einer BDR-Pressemitteilung. Scharping hatte sich am Morgen aus Dubai kommend mit seinen Präsidiums-Kollegen kurzgeschlossen.

Der BDR-Vize soll nach Aussagen eines unbekannten, ehemaligen Betreuers als Manager und Sportlicher Leiter des Teams Nürnberger, das seit drei Jahren nur noch als Frauen-Mannschaft existiert, in zurückliegenden Jahren Doping in der Mannschaft geduldet und unterstützt haben. Dem Fernseh-Magazin liegt nach eigenen Angaben eine entsprechende Eidesstattliche Versicherung vor. Der im Bild unkenntlich gemachte Ankläger habe nach Angaben der ARD "Angst gehabt", sich zu erkennen zu geben.

Sprenger: Die Zeugen lügen

In der Sendung bestritt Sprenger die Vorwürfe: "Die ARD-Informationen sind mit Sicherheit falsch." Die Zeugen würden "lügen". In dem Fernsehbeitrag wird der frühere Betreuer mit den Worten zitiert: "Während meiner Zeit beim Team Nürnberger wurde Doping aktiv praktiziert. Dies geschah und wurde praktiziert im Auftrag der Mannschaftsleitung." Zur Finanzierung dieser Dopingpraktiken habe es "schwarze Kassen" gegeben, "die aus den Startgeldern für bestimmte Rennen generiert wurden". Diese Kassen habe der damalige Teammanager Sprenger verwaltet.

Der Informant erklärte in der Eidesstattlichen Versicherung dem ARD-Politmagazin: "Ich war live dabei, wie Medikamentenabrechnungen mit ihm abgerechnet wurden." Auch ein zweites ehemaliges Mitglied des Teams Nürnberger bestätigte in einer schriftlichen Erklärung das Doping in der Mannschaft mit Wissen des Teammanagements.

Vorwürfe gegen Dopingkontrolleur und Rennarzt

Vorwürfe gab es in der Sendung auch gegen einen Dopingkontrolleur, der bei Rennen unter BDR-Regie tätig wurde. Der Mediziner Roland Müller soll zu DDR-Zeiten das systematische Doping als Verbandsarzt der DDR umgesetzt haben. Dies gehe aus Stasi-Akten hervor. Müller wollte laut "Report Mainz" keine Stellungnahme zu den Vorwürfen abgeben. Außerdem wurde der für den BDR als Rennarzt arbeitende Heinz Löbl vom früheren DDR-Bahnradfahrer Uwe Trömer beschuldigt, ihm regelmäßig Dopingmittel gespritzt zu haben. Darauf habe er den BDR mehrfach aufmerksam gemacht, ohne dass der BDR Konsequenzen gezogen habe, so Trömer. Löbl wies alle Dopingvorwürfe zurück, ein Interview mit "Report Mainz" lehnte er jedoch ab.

Doping-Kontrolleure bei kleineren Rennen würden von lokalen Veranstaltern eingesetzt, ohne dass der Verband involviert sei, hieß es vom BDR. Die offensichtlich gängige Praxis wurde aber offenbar als Schwachstelle erkannt. "Seit dem vergangenen Jahr sind wir dabei, ein lückenloses Netz von Ärzten zu schaffen, die bei unseren Veranstaltungen bundesweit eingesetzt werden. Damit wollen wir solche Fälle künftig ausschließen. Doch das geht nicht von "heute auf morgen", sagte BDR-Sportdirektor Burckhard Bremer.

Die Turbulenzen im BDR haben nach Ansicht der WM-Organisatoren in Stuttgart "derzeit keine gravierend negativen Auswirkungen auf die Straßen-Weltmeisterschaft". Nach Ansicht von Geschäftsführer Andreas Kroll von der Veranstaltungsgesellschaft "in.Stuttgart" ist die Tour de France im Juli die "wichtigste Etappe" vor den Titelkämpfen. "Es wird entscheidend sein, was da mit Doping passiert", sagte Kroll.

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