Radsport : Team Gerolsteiner steigt aus

Die jüngsten Dopingfälle Stefan Schumacher und Bernhard Kohl haben das Team Gerolsteiner dazu bewogen, sich mit sofortiger Wirkung aus dem Radsport zurückzuziehen. Zuvor hatte schon Teamchef Hans-Michael Holczer kapituliert.

Team Gerolsteiner
Das Team Gerolsteiner steigt aus. -dpa

BerlinDas Team Gerolsteiner hat sich nach den Dopingfällen Stefan Schumacher und Bernhard Kohl mit sofortiger Wirkung aus dem Radsport zurückgezogen. Hierbei greift der selbst auferlegte Ethikcode der Team-Vereinigung MPCC, der besagt, dass sich der Rennstall nach dem zweiten prominenten Dopingfall automatisch für acht Tage aus dem Geschehen zurückzieht.

Da das Team Gerolsteiner nach der Lombardei-Rundfahrt am Samstag ohnehin kein Rennen mehr bestreiten wird, ist der Rückzug gleichbedeutend mit dem Ende des Teams, das für die kommende Saison keinen neuen Sponsor gefunden hat. Kohl war ebenso wie Teamkollege Stefan Schumacher bei den nachträglich analysierten Dopingkontrollen positiv auf das Epo-Mittel Cera getestet worden. Die Analyse der B-Proben steht noch aus.

Ich kapituliere vor der kriminellen Energie

Zuvor hatte Teamchef Hans-Michael Holczer kapituliert. "Ich ziehe mich aus dem Profiradsport zurück. Ich passe nicht in dieses System. Der Fall Kohl hat mir meine Macht- und Hilflosigkeit erneut vorgeführt, ich kapituliere vor der kriminellen Energie", sagte der 54 Jahre alte Mathematiklehrer, dessen einstiges Radsport-Erfolgsprodukt immer mehr als Mogelpackung wahrgenommen wird. Damit reagierte Holczer, der trotz monatelanger Suche keinen Nachfolge-Sponsor für den Mineralwasser-Hersteller gefunden hatte, auf die Bekanntgabe der positiven A-Probe des Österreichers Kohl auf das Blut-Doping-Mittel CERA.

Wie sein Team-Kollege Stefan Schumacher (Nürtingen) vor Wochenfrist war der Tour-de-France-Dritte und Gewinner des Bergtrikots in einem nachträglichen Test der französischen Anti-Doping-Agentur AFLD überführt worden. Schumacher (zwei Etappensiege, zwei Tage im Gelben Trikot) und Kohl, der am Dienstag von der Liste der Top 5 zur Wahl des Sportler des Jahres gestrichen wurde, hatten bei der vergangenen Frankreich-Rundfahrt für einen ungeahnten Höhenflug des Gerolsteiner-Teams gesorgt.

Holczer will an die Hintermnner heran

Holczer, dem von Ex-Profi und Doping-Kronzeuge Patrik Sinkewitz "Betriebsblindheit" vorgeworfen worden war, will an die Hintermänner der Dopingfälle in seinem Team heran. "Bernhard hat mich angerufen und ich habe ihm geraten, alles offen auf den Tisch zu legen. Er soll die Namen nennen. Hier findet doch eine Hexenjagd auf die Falschen statt", sagte Holczer. Auch die Auslassungen der "Gazzetta dello Sport" konnten am Dienstag als Seitenhieb gegen Holczer verstanden werden: "Nicht einmal der kompetenteste Trainer hätte Kohl so eine Tour zugetraut. Seit 2002 hatte er gerade mal zwei Sieg geholt, die man durchaus vergessen durfte. Aber dann fuhr er in Frankreich mit der neuen Bombe geladen und explodierte."

Nach den Worten des Team-Managers aus Herrenberg ("Ich gehe nicht davon aus, dass es noch weitere meiner Fahrer trifft") habe Kohl am Telefon ihm gegenüber Doping geleugnet. Genauso verfährt Schumacher, der laut Bund Deutscher Radfahrer die Öffnung der B-Probe von der AFLD verlangen muss. Dazu hat er gemäß des französischen Sportrechts als im Ausland lebender Athlet eine Frist von zehn Tagen.

Kapitän Fothen zieht Gerolsteiner-Jacket aus

Holczer war am Montagabend am Boden zerstört: "Das habe ich zum Abschluss wirklich nicht verdient." Schon nach dem Fall Schumacher hatte Team-Kapitän Markus Fothen bei der Anreise zum Herbst-Klassiker Paris-Tours auf sein übliches Gerolsteiner-Jacket verzichtet: "Ich wollte mir unterwegs die Anmache ersparen." Fothen, der wie sein Team-Kollege Fabian Wegmann in Zukunft für den einzigen verbleibenden deutschen Top-Rennstall Milram fahren wird, war am Montag erstmal "sprachlos" und fürchtet langfristig um seinen Arbeitsplatz: "Natürlich mache ich mir da Gedanken."

Der "Tiefpunkt" sei laut Fothen "wohl immer noch nicht erreicht". Der Familienvater und gelernte Landwirt aus Kaarst hofft, "dass jetzt richtig aufgeräumt wird und Schumacher und Kohl kein Bauernopfer" bleiben. Kohl hätte während der Tour nach den Worten Fothens "mit Tränen in den Augen wie wir alle auf die Doper gewettert, die uns alles kaputtmachen". (mbo/dpa)

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