Reitsport : Doping im Olympiastall: Was wissen Reitfunktionäre?

Ein Jahr liegen die Olympischen Reiterspiele in Hongkong nun zurück – doch ihre Nachwirkungen sorgen im deutschen Reitsport noch für Wirbel. Dabei geht es nicht um sportliche Leistung, sondern um Behandlung der Pferde, um Doping und Regelverletzungen.

Katja Reimann

Berlin - Nun kommen auch die Spitzenfunktionäre der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) in Erklärungsnöte. Haben sie von verbotenen Behandlungen gewusst?

Verbandspräsident Breido Graf zu Rantzau soll sich etwa in China im Stall aufgehalten haben, als das Springpferd des Deutschen Marco Kutscher, Cornet Obolensky, nach einer – unerlaubt verabreichten – Spritze mit Arnika und Lactanase kollabierte. Am folgenden Tag sprang das Pferd wieder im Parcours.

Im Gegensatz zum viel diskutierten Fall Christian Ahlmann, bei dessen Pferd Cöster in Hongkong die verbotene Substanz Capsaicin nachgewiesen wurde, wurde die Behandlung von Cornet Obolensky verschwiegen. Erst bei der Hauptversammlung der deutschen Reitsportverbände in diesem Frühjahr wurde sie bekannt. Ein von der FN in Auftrag gegebener Untersuchungsbericht, der den Vorfall im Stall genau analysieren sollte, lieferte zwar belastende Fakten. Trotzdem wurde kein Verbandsverfahren eröffnet. „Die Faktenlage ist noch immer nicht ganz klar“, sagt FN-Sprecher Dennis Peiler.

Nachdem die Behandlung des Pferdes bekannt wurde, gründete der Weltverband der Reiter (FEI) wiederum eine Ethikkommission, die klären soll, wer sich während der Behandlung im Stall aufhielt. Neben zu Rantzau sollen dies auch Delegationsleiter Reinhardt Wendt und der Vorsitzende des Springausschusses, Peter Hofmann, gewesen sein. Laut FEI wurde Mitte August ein Bericht der Kommission dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) übergeben. Der DOSB leitete diesen an die unabhängige Kommission weiter, die das Anti-Doping-System der FN untersucht.

Die Reitsport-Landesverbände empören sich über das Verhalten der FN. „Wir wurden nicht vollständig und zutreffend über die Vorgänge in der Stallgasse informiert“, sagt Peter Danckert, der Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag und Präsident des Landesverbandes Pferdesport Berlin-Brandenburg. Die Landesverbände fordern eine „lückenlose Aufklärung“. Denn schon bei kleinen Turnieren zögen sich inzwischen Sponsoren zurück. Zudem habe die FN zur gesamten Medikationsproblematik „keine klare Position“. Danckert: „Uns kann das nicht gleichgültig sein.“ Die Landesverbände wollen nun ein „Anforderungsprofil für Funktionsträger“ erstellen. Zu Rantzau sagte der Deutschen Presse-Agentur, er werde nicht zurücktreten. Katja Reimann

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