Schwimmen : Alles ganz sauber

Schwimm-Olympiasiegerin Britta Steffen tritt beim Anti-Doping-Forum Verdächtigungen entgegen.

Friedhard Teuffel
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Britta Steffen

Berlin - Die Zutaten für ihren Erfolg seien ganz natürlich, sagt Britta Steffen, da gebe es keine chemischen Zusätze. „Ich nehme die Pille nicht mehr, kein Kreatin, keine Vitamine A, B, C, D, E. Da bin ich fein raus.“ Das war ihre Unschuldserklärung beim Anti-Doping-Forum im Stilwerk, veranstaltet von der Rechtsanwaltskanzlei Beiten Burkhardt. Und eine moralische Begründung für den Verzicht auf Doping gab sie auch noch: „Fairer Sport macht einfach mehr Spaß. Ich habe es als Kind auch nicht gut gefunden, wenn mich jemand gewinnen ließ.“

Eine halbe Stunde konnte Britta Steffen gestern polieren, damit ihre beiden Goldmedaillen von den Olympischen Spielen in Peking richtig glänzen. Denn ein ungeschriebenes Gesetz der Spiele war, je größer der Erfolg, desto dicker die Schmutzschicht des Dopingverdachts. Steffen war die erfolgreichste deutsche Athletin in Peking. Für den Zweifel habe sie Verständnis, sagte die 25 Jahre alte Schwimmerin vor Juristen, Verbandsfunktionären und Journalisten. „Ich bin ja selbst nicht frei von Verdächtigungen.“ Wen sie meint, verriet sie nicht. „Ich finde es unfair, damit an die Öffentlichkeit zu gehen.“

Ein Dopingverdacht kommt wegen vieler Ungereimtheiten zustande, etwa aus auffälligen Zuwächsen an Tempo, wie bei Britta Steffen 2006, oder an Muskeln. Steffen weiß, dass sie genau begutachtet wird, vor allem ihre bisweilen unreine Haut, die ein Indiz für Doping sein könnte. „Dann heißt es, guck mal der Kiefer, guck mal die Haut, die Füße. Aber wenn ich mich hier im Raum umschaue, kann ich auch an jedem etwas Komisches finden.“

Komisch war in Peking vor allem, dass viele Nationen so viel schneller geworden sind, nur die Deutschen nicht. Rasch war eine Erklärung gefunden: Die dopen, wir nicht. „Das ist eine blöde Aussage“, sagte Steffen, „genau wie die angeblich besseren Anzüge. Das ist wahrscheinlich auch mit Unzufriedenheit zu beschreiben.“ Steffen gab aber auch zu, dass der Schwimmsport „definitiv nicht frei“ von Doping sei. Nun stellt sich die Frage: Kann man in so einem Sport allein mit gesunder Ernährung, Training und Talent Olympiasieger werden?

Im Moment wendet Steffen eineinhalb Stunden in der Woche dafür auf, um den Sportverbänden im Internet Auskunft darüber zu erteilen, wo sie sich gerade aufhält und wo als Nächstes, damit die Dopingkontrolleure sie erreichen können. „Ich bin gerne bereit, mich gläsern zu machen, zumindest in meiner Zeit als Sportlerin“, sagte sie und wünscht sich sogar an ihrem Schlüsselbund einen Sender, um immer auffindbar zu sein. Alle zwei bis vier Wochen werde sie in der Regel getestet. In der Versuchung zu dopen sei sie bisher noch nicht gewesen. „Ich wurde nie gefragt, ob ich etwas nehmen möchte.“

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