Schwimmen : Weltmeister Mellouli wird Titel aberkannt

Der Schwimmsport wird von einem spektakulären Dopingfall belastet. Der tunesische Weltmeister Oussama Mellouli verliert seinen im März gewonnenen Titel und wird rückwirkend zum 30. November 2006 für 18 Monate gesperrt.

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Oussama Mellouli -Foto: dpa

LausanneDamit kann Mellouli trotz des Doping-Vergehens bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking (8. bis 24. August) an den Start gehen. Diese Entscheidung gab der Internationale Sportgerichtshof CAS heute in Lausanne bekannt.

Der 23-Jährige, der bei der WM in Melbourne Gold über 800 und Silber über 400 Meter Freistil gewonnen hatte, war im November 2006 bei einem Wettkampf in West Lafayette in den USA positiv auf das Amphetamin Adderall getestet worden. Der tunesische Verband hatte ihn verwarnt und darauf verwiesen, Mellouli habe mit der Einnahme nicht seine sportliche Leistungsfähigkeit verbessern wollen. Daraufhin hatte der Weltverband Fina den Sportgerichtshof eingeschaltet.

Freistil- und Lagen-Spezialist Mellouli, der bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen Fünfter über 400 Meter Lagen war, hatte auf die B-Probe verzichtet und erklärt, das Aufputschmittel lediglich zur besseren Konzentration auf sein Studium genommen zu haben. Die Fina hatte eine Zweijahressperre für den Athleten gefordert, die im Doping-Regelwerk für ein Erstvergehen vorgesehen ist.

Zwei Jahre Sperre hätten das Olympia-Aus bedeutet

Die CAS-Richter mit dem Franzosen Bernard Foucher als Präsident erklärten ihr Unverständnis darüber, dass ein Weltklasseathlet wie Mellouli sich der Gefahr bei der Einnahme des Aufputschmittels nicht ausreichend bewusst gewesen sei. Doch das schuldhafte Verhalten des Schwimmers sei nicht so gravierend gewesen, um es mit einer Sperre von zwei Jahren zu belegen. Dies hätte dem Tunesier die Teilnahme an den Olympischen Spielen verwehrt. Der Ausschluss für 18 Monate sei "angemessen", meinte der CAS.

Mellouli hatte bei der WM 2003 in Barcelona als Dritter über 400 Meter Lagen seine erste Medaille bei einem internationalen Großereignis gewonnen. 2005 in Montréal war er WM-Dritter über 400 Meter Freistil und 400 Meter Lagen. Im März 2007 hatte er in Melbourne den Australier Grant Hackett als Weltmeister über 800 Meter Freistil entthront und hinter dem Südkoreaner Tae Wan Park zudem Platz zwei über 400 Meter Freistil belegt.

Als neuer Weltmeister über 800 Meter Freistil wird jetzt der Pole Przemyslaw Stanczyk geführt. Hackett bekommt nachträglich WM-Silber über 400 Meter Freistil, neuer Dritter in dieser Disziplin ist der Russe Juri Prilukow. (mit dpa)

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