Sportbuch : Doping, der Zwilling des Sports

Härtere Strafen verschrecken Doper nicht - im Gegenteil. Spannende Analysen zu einem unlösbaren Problem.

Friedhard Teuffel

Herausgeber und Verlag haben einiges getan, um bloß nicht zu viel Aufmerksamkeit für dieses Buch zu gewinnen. „Zur Analyse einer antagonistischen Symbiose“ haben sie sich etwa als Untertitel ausgesucht. So bleibt man mit seinen Erkenntnissen im Kreis der Wissenschaft. Dabei ist „Sport und Doping“ eines der besten Bücher, das bisher zu diesem Thema erschienen ist, und Gewinn daraus ziehen können alle, die sich mit dem Betrug im Sport auseinandersetzen.

Man muss sich nur einlassen auf die These von der antagonistischen Symbiose. Also dass Sport und Doping sich einerseits feindlich gegenüberstehen, weil Doping den Regeln des Sports zuwiderläuft und seinen Geist zerstört. Andererseits gehören sie zusammen, weil das Streben nach Leistung mit der Versuchung zum Manipulieren einhergeht. Oder einfach: Doping ist ein unlösbares Problem.

Eine Freigabe von Doping ist keine Alternative für die Autoren. Deshalb geht es in den Analysen auch um die Frage, wie zumindest Schadensbegrenzung betrieben werden kann. Die Autoren arbeiten größtenteils an der Universität des Saarlands, wie Eike Emrich, bis vor kurzem noch Vizepräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Mit Ansätzen aus der Rechtswissenschaft, der Soziologie und der Ökonomie bearbeiten sie spannende und aktuelle Fragen – und finden dabei noch spannendere Antworten. Etwa, dass bei einem schärferen Dopinggesetz die Wahrscheinlichkeit niedriger wird, einen Doper zu erwischen. Der Doper arbeitet schließlich aktiv der Strafverschärfung entgegen, indem er in noch bessere und schwerer nachzuweisende Dopingsubstanzen und -methoden investiert. Ein schärferes Dopinggesetz können die Autoren Eike Emrich und Werner Pitsch daher nicht empfehlen.

Kritisch gehen Emrich und Pitsch auch mit den Sportorganisationen wie dem Internationalen Olympische Komitee um. Sie hätten ein großes Interesse daran, dass nur vereinzelte Doper bei Kontrollen auffliegen, darunter nur wenige Höchstleister. So glaubt der Fernsehzuschauer, dass zum einen die Kontrollen funktionieren und zum anderen die Leistungen weitgehend sauber sind.

Logik ist eine große Stärke des Buchs. Diese Logik entzaubert auch ein scheinbares Wundermittel der Dopingbekämpfung: die Prävention. Darauf kommen die Sportsoziologen Jens Flatau und Frank Schröder, indem sie die Frage nach den Motiven für Doping einmal andersherum stellen. Warum dopt ein Sportler nicht? Ihre Erkenntnis: Wenn nicht die Eltern ihren Kindern mitgeben, dass lügen und betrügen verwerflich ist, können ihnen Aufklärungskampagnen in Vereinen oder der Schule das später kaum noch beibringen.

Eike Emrich/Werner Pitsch (Hrsg.): Sport und Doping. Zur Analyse einer antagonistischen Symbiose. Peter Lang Verlag. 226 Seiten, 39 Euro.

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