Tour de France : Château-de-Irgendwas

Niemand kennt den Königsweg, der das Schweigen im Radsport brechen kann. Wer jedoch das System verurteilt, sollte sich auch an die eigene Nase fassen.

Doping – wer kann dieses Wort noch hören? Doping hier, Doping da, D-O-P-I-N-G ist Ü-B-E-R-A-L-L. Schlimmer sind eigentlich nur Erderwärmung und Große Koalition. Immer hehre Ziele, am Ende aber nicht mehr als bloß heiße Luft. Und auch wenn sich alle gerade mächtig ins Zeug legen, um das offensichtliche Schweigen im Radsport zu brechen, – klingt Omerta nicht romantisch? – bleibt in den meisten Fällen nur der Griff zur Keule, zum moralischen Rundumschlag, der nicht wirklich weiterhilft. Naja, vielleicht am Stammtisch, beim Phrasendreschen in der U-Bahn. Aber so kommt man den üblen Strukturen halt nicht auf die Schliche. Außerdem könnte es zu voreiligen Schlüssen führen.

Denn obwohl es gerade nicht unbedingt der glücklichste Zeitpunkt ist, sich als Tourfan zu outen, werden in der schwer in Mode gekommenen Debatte einige Fragen ausgelassen: Ist Leistungssteigerung nicht etwa ein gesellschaftlich anerkanntes Prinzip? Und hat nicht jeder seine eigene Leiche im Keller? Ich frage mich auch, mit welchen Assoziationen will ein Sponsor und Konzern in Verbindung gebracht werden? Mit einem, in Jubelpose auf Titelseiten posierenden, womöglich gedopten Etappensieger, oder mit einer mutigen Jugendkampagne zur Heilung einer wie wild grassierenden Asthmaerkrankung im Radsport? Aber Halt, auch das ist jetzt zu kurz gesprungen.

Fakt ist: Wir wollen Helden sehen. Wir wollen ihren Aufstieg miterleben – und ihren Fall natürlich. Das gehört eben dazu. Das ist gute Unterhaltung. Das ist gutes Fernsehen. Da gibt es noch wirklich gut gemachte Hintergrundgeschichten. Tour mit Kultur zum Beispiel. Schade nur, dass ich mich nicht mehr an dieses Château-de-Irgendwas erinnern kann. Auf einer kleinen Anhöhe gelegen, das Peloton rauscht vorbei, in einem Departement, dass doch so berühmt ist für diesen unglaublich tollen Käse, wie man hört. Mmmh – ja, das muss savoir vivre sein. Und schon ist Doping gar nicht mal so schlimm. Erderwärmung und Große Koalition lassen grüßen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar