Tour de France : Der nächste Helfer steigt ab

Wie viele andere überführte Dopingsünder fuhr Manuel Beltran einst für Lance Armstrong. Der "Teflon-Mann" Armstrong wir wohl trotzdem weiter schweigen.

Sebastian Moll
Armstrong
Medizincheck. Armstrong (r.) 1999 mit Teamkollege Jonathan Vaughters. -Foto: dpa

SoumoulouLance Armstrong hat die diesjährige Tour de France bislang noch nicht kommentiert, man weiß nicht einmal, ob er sie sich überhaupt im Fernsehen anschaut. Wenn man Armstrongs Lebenswandel seit seinem letzten Tour-Sieg 2005 betrachtet, dann liegt allerdings die Vermutung nahe, dass er sich eher weniger dafür interessiert. Armstrong ist fleißig damit beschäftigt, für die Krebsforschung Geld zu sammeln, er läuft Marathon und fährt Autorennen.

Und deshalb kann man vermutlich lange warten, bis er einen Kommentar zur positiven A-Probe seines ehemaligen Helfers Manuel Beltran abgeben wird. Aber eigentlich muss er das auch gar nicht, vieles spricht einfach für sich. Zum Beispiel die Zahl der ehemaligen Armstrong-Zuarbeiter, die des Dopings überführt wurden. Und damit erhärtet sich natürlich der Verdacht, dass der siebenmalige Tour-Sieger auch nicht immer ungedopt seine Triumphe errungen hat.

Der prominenteste frühere Armstrong-Helfer, der aufflog, ist Floyd Landis, der Tour-Sieger von 2006, dem die Einnahme von Testosteron nachgewiesen wurde. Landis leugnet bis heute, dass er gedopt habe und prozessierte, erfolglos, durch alle Instanzen. Das Projekt verschlang Millionen Dollar. Der frühere Tour-Sieger Greg Lemond aus den USA, der im Prozess gegen Landis vor der US Anti-Doping-Agentur als Zeuge der Anklage auftrat, ist überzeugt, dass Armstrong hinter dieser Verteidigungskampagne stand. In einem Interview mit dem Magazin „Tour“ sagte er vielsagend, dass „sehr einflussreiche Leute im amerikanischen Radsport“ Interesse daran gehabt hätten, dass Landis nicht auspackt. Auffällig ist jedenfalls, dass sich ein internationales Team von Star-Anwälten und eine hochprofessionelle Publicity-Maschinerie um Landis kümmerte.

Mit so einer Strategie hatte Armstrong einen großen Prozess gegen die Versicherungsgesellschaft SCA geführt, die sich wegen des Dopingverdachts gegen Armstrong weigerte, ihm die Siegprämie für seinen fünften Tour-Sieg auszuzahlen. Im Verlauf dieses Prozess gestand ein weiterer ehemaliger Armstrong-Helfer als Zeuge, dass er unter Armstrong gedopt hatte. Frankie Andreu erzählte, dass er bei Armstrongs Tour-Sieg 1999 Epo habe nehmen müssen, „nur um überhaupt für die Tour berücksichtigt zu werden“. Seine Frau Betsy sagte, Armstrong habe massiv Druck auf seine Fahrer ausgeübt, ihre Leistung chemisch zu steigern. Armstrong bestreitet dies.

Der damalige Mannschaftskollege von Andreu und jetzige Direktor des Teams Garmin, Jonathan Vaughters, will sich nicht zu einem vollständigen Geständnis hinreißen lassen, wohl aus Angst davor, dass Armstrong auch ihm einen teuren Prozess anhängt. Mit Äußerungen wie: „Ich habe auch keinen Heiligenschein“, lässt er jedoch wenig Zweifel daran, dass auch er gedopt hat. Das bestätigte sich 2006 erst wieder in einem SMS-Austausch zwischen Vaughters und Frankie Andreu, den die „Los Angeles Times“ beschrieb. Darin unterhielten sich Vaughters und Andreu über Blutdopingpraktiken bei ihrem früheren Team.

Vaughters leugnete jedoch später, wohl wiederum aus Furcht vor Armstrong, „konkrete Informationen über Dopingpraktiken bei Profi-Teams zu haben“. Die Unterhaltung mit Andreu über die Armstrong-Mannschaft Discovery sei „spekulativ“ gewesen. Die Liste geständiger oder überführter ehemaliger Armstrong-Fahrer geht weiter. Da ist Tyler Hamilton, dem bei seinem Olympiasieg 2004 Blutdoping nachgewiesen wurde. Da ist Armstrongs Edelhelfer Roberto Heras, der als Sieger der Spanienrundfahrt von 2005 mit Epo erwischt wurde. Und nun eben Manuel Beltran, der 2003 Armstrong zu seinem Sieg über Jan Ullrich verhalf, nachdem er bei Ullrichs Team Coast seinen Job verloren hatte.

Bei dem Spanier deutet viel daraufhin, dass er nicht erst in diesem Jahr damit anfing, Epo zu benutzen. Beltran begann seine Karriere 1995, als Epo nahezu flächendeckend eingesetzt wurde und noch nicht nachweisbar war. Die These von Team-Columbia-Besitzer Bob Stapleton, dass Beltran nach so vielen Jahren vom Epo quasi wie ein Süchtiger nicht hat lassen können, könnte plausibel sein.

Armstrong wird wohl trotzdem schweigen. Der „Teflon-Mann“ des Sports, wie ihn ein US-Journalist jüngst bezeichnete, wird weiter unbeschwert sein Jet-Set-Leben zwischen Hollywood, Texas und New York führen.

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