Tour de France : Der Sport und der Müll

Der Doping Vorwurf schwebt erneut über der Tour de France. Im Abfall des Tour-Tross finden sich verbotene Mittel – allerdings haben sie nur begrenzte Beweiskraft.

Tom Mustroph[Paris]

ParisDrei Wochen lang war die Tour de France in ein paradoxes Schweigen über Doping eingebettet. Kaum ist das Spektakel mit Champagner und falscher Musik – der spanische Sieger Alberto Contador wurde zunächst mit der dänischen Hymne gefeiert – beendet, werden neue Erkenntnisse kommuniziert.

Wie die französische Anti-Doping-Agentur AFLD bekannt gab, seien im Müll, den einige Teams in ihren Hotels zurückgelassen hatten, Dopingpräparate gefunden worden. „Eines davon ist ein Medikament, das zur Insulinproduktion anregt und gewöhnlich von Diabetikern gebraucht wird”, erklärte AFLD-Präsident Pierre Bordry gegenüber „Le Monde“. Insulin ist ein sowohl den Muskelaufbau als auch die Energiebereitstellung fördernder Wirkstoff und daher laut Insideraussagen beliebt im Profisport.

Merkwürdig mutet an, dass es Fahrer oder Betreuer geben mag, die die Rückstände ihrer Doping-Kuren im Hausmüll entsorgen. Die AFLD wollte keine weiteren Angaben zu Medikamenten, Teams und Zeitpunkt der Razzia machen. Eine Sprecherin wies darauf hin, dass die Suche zwar von der AFLD veranlasst, jedoch von den Justizbehörden durchgeführt worden sei. Die undurchsichtige Veröffentlichungspolitik der AFLD legt den Verdacht nahe, dass die Müllsuche kein Volltreffer war. Während die UCI im Antidoping-Kampf vor allem durch Schweigen auffällt, sucht die AFLD förmlich Aufmerksamkeit. Doch diese Ankündigungspolitik diskreditiert eher den Anti-Doping-Kampf. Entweder man hat einen Beweis und kann den Kreis der Verdächtigen eingrenzen oder man schweigt im Interesse der laufenden Ermittlungen.

Eine eher schwache Basis haben auch die Auskünfte von AFLD-Chef Pierre Bordry über zwei noch nicht freigegebene Medikamente, die im Radsport zirkulieren sollen. Es handelt sich um das Epo-Mittel der dritten Generation, Hematide, und den Fettverbrenner AICAR. Bordrys Überzeugung, dass diese Medikamente eingesetzt werden, soll nicht etwa auf der Auswertung der Urinanalysen basieren; die Ergebnisse der Blutkontrollen behält die UCI sowieso für sich. Bordry erklärte stattdessen: „Ich habe gesehen, wie mager einige Fahrer sind.“ Offenbar ist es diese Beobachtung, die ihn den AICAR-Einsatz vermuten lässt.

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