Tour de France : Endlich vorüber

Der spanische Discovery-Channel-Profi Alberto Contador hat die von Doping-Affären überschattete Tour de France gewonnen. Auch der Spanier ist nicht unverdächtig.

Paris
Tour am Ende: Nach der Siegerehrung in Paris bleibt abzuwarten, wie lange sich der Spanier Contador Sieger nennen kann. -Foto: AFP

ParisAufatmen nach der Achterbahnfahrt von London nach Paris: Mit einem Sieg des umstrittenen Alberto Contador ist auf den Champs Élysées die wohl skandalträchtigste Tour de France der Nachkriegszeit zu Ende gegangen. Der 24-jährige Spanier, der mit dem Doping-Arzt Eufemiano Fuentes in Verbindung gebracht wird, hatte nach 3569 Kilometern nur 23 Sekunden Vorsprung vor dem Australier Cadel Evans und 31 Sekunden vor dem Amerikaner Levi Leipheimer. Die Siegerehrung nahm nicht wie sonst üblich der Staatspräsident vor - der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe musste bei der traurigen Feier unter verregnetem Himmel für Nicolas Sarkozy einspringen.

Der Toursieger von 2007, der das Gelbe Trikot nach dem Rauswurf des Dänen Michael Rasmussen am Donnerstag übernommen hatte, steht fest - allerdings mit unbekanntem Haltbarkeitsdatum. Floyd Landis (USA) konnte sich im Vorjahr nur drei Tage über das Gelbe Trikot freuen. Dann wurde seine positive Doping-Analyse publik und sein Sieg aberkannt, auch wenn das offizielle Urteil bis heute aussteht.

Bennati gewinnt letzte Etappe

Die 20. und letzte Etappe der 94. Tour, die von drei Dopingfällen, der Demission Rasmussens im Gelben Trikot und dem Ausschluss zweier Teams geprägt war, sicherte sich nach 146 Kilometern der Italiener Daniele Bennati mit seinem zweiten diesjährigen Tagessieg vor Thor Hushovd (Norwegen) und Erik Zabel. Ex-Weltmeister Tom Boonen aus Belgien holte sich zum ersten Mal in seiner Karriere das Grüne Trikot. Zabel wurde in seiner 13. und wahrscheinlich letzten Tour in der Punktwertung hinter Boonen und Robert Hunter (Südafrika) Dritter. Der Milram-Kapitän, der vor der Tour ein Doping-Geständnis ablegte, hatte das Grüne Trikot von 1996 bis 2001 gepachtet. Das Trikot für den besten Bergfahrer sicherte sich José Mauricio Soler (Kolumbien).

Linus Gerdemann vom T-Mobile-Team, das den herben Rückschlag der positiven Doping-Kontrolle von Patrik Sinkewitz wegstecken musste, überstrahlte die Tour-Bilanz der 19 deutschen Starter. Der 24-jährige Debütant aus Münster gewann die erste Alpen-Etappe in Le Grand Bornand und trug für einen Tag das Gelbe Trikot. Markus Fothen vom Team Gerolsteiner konnte sich in Castelsarrasin über den zweiten Platz in der Tageswertung freuen. Der als Favorit gestartete Andreas Klöden musste nach dem Dopingfall Alexander Winokurow wie die übrigen Mitglieder des Astana-Teams am Ruhetag in Pau die Koffer packen und vorzeitig abreisen. Routinier Jens Voigt war als 28. bester Deutscher im Gesamtklassement mit 1:08:12 Stunden Rückstand auf Contador.

"Beste Discovery-Bilanz aller Zeiten"

Nur noch eine radikale Kursänderung verheißt der 104 Jahre alten Tour eine Zukunft. Mit dem Start der Tour 2008 in Brest, so kündigten es die Organisatoren an, sollen neue Anti-Doping-Richtlinien als Ersatz für das "bankrotte UCI-System" gelten, vielleicht zum ersten Mal nach 1968 wieder Nationalmannschaften zusammen mit Werk-Teams starten und der Weltverband UCI die Hoheit über das Rennen verlieren. "Langfristig ist die Tour in Gefahr, wenn sie zu einer simplen Parade gerät. Wir müssen ihre Glaubwürdigkeit wieder herstellen", sagte der Tour-Präsident Patrice Clerc.

In Contador triumphierte nach nur einem Jahr ohne Erfolg wieder das System Discovery Channel. Die amerikanische Mannschaft, für die Lance Armstrong 2005 seinen siebten und letzten Toursieg feierte, stand nun wieder auf dem Tour-Gipfel, stellte den Gesamtsieger, den Dritten und das beste Team. "Das ist die beste Discovery-Bilanz aller Zeiten. Contador hat das Zeug, noch viele Touren zu gewinnen", sagte Armstrong, der finanziell an der Mannschaft mitbeteiligt ist. Der Texaner war am Wochenende Gast bei der Tour.

Armstrong, bis heute Objekt von Doping-Vorwürfen, feuerte Contador beim Zeitfahren am Samstag über 55,5 Kilometer von Cognac nach Angouleme lautstark an. Der Spanier verteidigte die Spitzenposition im Gesamtklassement mit dem fünften Rang. Sein Team-Kollege Leipheimer entpuppte sich in 1:02:44 Stunden als Schnellster aller 141 Teilnehmer im Kampf gegen die Uhr und feierte seinen ersten Tour- Etappensieg. (mit dpa)

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