Verbände blocken ab : Kein Doping-Meldesystem für Fußballer

Fifa und Uefa haben sich erneut kategorisch gegen das neue Anti-Doping-Meldesystem für Fußballer ausgesprochen. Vertreter der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada reagierten enttäuscht.

Zürich/NyonDie internationalen Fußballverbände betonten ihre Ablehnung in einer schriftlichen Erklärung im Anschluss an eine Uefa-Exekutivsitzung. "Die führenden Organe von Fifa und Uefa lehnen die Haltung der Welt-Anti-Doping- Agentur (Wada) zur Meldepflicht und speziell zur genauen Nennung der Aufenthaltsorte von Mannschaftssportlern ab", hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Die Wada reagierte enttäuscht und mit deutlichen Worten auf die Erklärung der beiden Verbände. "Eines der Grundprinzipien effizienter Doping-Kontrollen ist der Überraschungseffekt und die Möglichkeit, einen Athleten ohne vorherige Ankündigung 365 Tage im Jahr testen zu können", erklärte Wada-Präsident John Fahey am Dienstag in einem Statement auf der Wada-Homepage. Die Forderung von Fifa und Uefa, dass Tests nur an Trainingsstätten und nicht während der Ferienzeiten durchgeführt werden sollten, "ignoriert die Realität des Dopings im Sport", betonte Fahey.

Ballack: Regelung greift massiv ins Privatleben ein

Fußball-Profis müssen seit Beginn des Jahres ihre Aufenthaltsorte für mögliche Dopingproben fortlaufend drei Monate im Voraus angeben. Diese Regelung war auch vom deutschen Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack als unverhältnismäßig kritisiert worden. "Der Zweck ist positiv. Aber es wird teilweise massiv ins Privatleben eingegriffen", hatte Ballack im Februar von seinen Erfahrungen mit dem Computer gestützten System berichtet. "Es stößt hier und da auf Unverständnis. Es ist auf jeden Fall kritisch zu sehen", sagte Ballack.

Fifa und Uefa betonten die "fundamentalen Unterschiede" zwischen Individualsportlern, die alleine trainieren, und Teamathleten, die "an sechs von sieben Tagen der Woche im Stadion präsent sind" und dadurch leicht zu erreichen seien. Das individuelle Meldesystem solle daher für Teamsportler durch ein Mannschafts-Meldesystem ersetzt werden, von dem nur gesperrte oder verletzte Spieler ausgenommen seien. Während der Saisonpause sollten Fußballer in ihrer "kurzen Urlaubsphase" grundsätzlich nicht den Meldeauflagen unterliegen.

"Schlussendlich wollen Fifa und Uefa die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass politisch und juristisch die Rechtmäßigkeit des fehlenden Respekts für das Privatleben der Spieler, das eine fundamentale individuelle Freiheit bedeutet, hinterfragt werden kann", hieß es in der Erklärung. Zwischen 25.000 und 30.000 Dopingtests pro Jahr belegten, dass der Anti-Doping-Kampf im Fußball mit aller Konsequenz betrieben werde. Im "Geiste des gemeinsamen Kampfes gegen Doping" werde die Wada aufgefordert, die neue Regelung zu überdenken. (feh/dpa)

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