Dopingarzt Fuentes : Doping als Therapie

Er habe den überlasteten Athleten nur helfen wollen, rechtfertigt sich Dopingarzt Eufemiano Fuentes. Doch in seiner absurden Rechtfertigung steckt auch ein wahrer Kern, findet unser Kommentator.

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Helfer in der Not. Der spanische Mediziner Eufemiano Fuentes sprach nach Ende der Gerichtsverhandlungen von "therapeutischem Doping".
Helfer in der Not. Der spanische Mediziner Eufemiano Fuentes sprach nach Ende der Gerichtsverhandlungen von "therapeutischem...Foto: dpa

Am Ende hat Lance Armstrong alles richtig gemacht. Elf Wochen nach seinem Dopinggeständnis hatte sich der frühere Radsportler als Schwimmer bei Regionalmeisterschaften in seiner Heimat Texas angemeldet. Doch nun machte er kurzfristig einen Rückzieher. Armstrong ist schon 41 und die Regenerationszeit ist beim Schwimmen arg kurz. Oft liegt nicht mal eine Stunde zwischen zwei Wettbewerben, was Armstrong bald wieder zum Doping hätte treiben können, in die verständnisvollen Arme von Eufemiano Fuentes.

Der spanische Mediziner hat es ja immer nur gut gemeint mit den Athleten, seine Praktiken seien „therapeutisches Doping“ gewesen. „Ich wollte den immensen Schaden abwenden, den das anspruchsvolle Training und das dicht gedrängte Wettkampfprogramm dem Körper der Sportler zufügen“, hat Fuentes nach Ende der Verhandlungen seines Dopingprozesses in Madrid erzählt.

So absurd Fuentes Argumentation als Rechtfertigung seiner Taten auch wirkt: Sie hat einen wahren Kern. Die Anforderungen an die Sportler steigen, die Terminkalender quellen über vor Wettkämpfen und Qualifikationen dafür. Das Publikum will dabei immer neue Bestleistungen bei immer weniger Pausen sehen. Wer da kritisch mitdenkt, der fragt sich: Wie soll das alles ohne Doping zu schaffen sein?

Liebe Sportfans: Wenn Sie Athleten nicht in die Arme von Therapeuten wie Fuentes treiben wollen, dann zeigen Sie Nachsicht mit Ihren Helden und stimmen Sie mit der Fernbedienung ab! Widerstehen Sie der Inflation von Wettkämpfen, mit denen Vereine und Verbände Geld verdienen wollen! Das volle Sportprogramm stehen Sie ohnehin nur mit Bier-, Kaffee- und Fast-Food-Doping durch. Eine Pause ist da die beste Therapie.

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