Sport : Dopingfälle in Finnland: Eine DDR im hohen Norden

Zornig, traurig und fast schon ungläubig hat die Langlauf-Nation Finnland auf die zwei Dopingfälle ihrer Langläufer bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in Lahti reagiert. "Helsingin Sanomat", die größte und einflussreichste Zeitung im Land, schrieb im politischen Leitartikel zu den Doping-Enthüllungen: "Vergleiche mit der DDR als Doping-Großmacht früherer Jahre sind nicht mehr grundlos. Der gute Ruf des Skilanglaufs in Finnland ist für lange Zeit zerstört. Mit den neuen Enthüllungen fällt auch ein Schatten auf die Leistungen und Siege der Vergangenheit. Alles wird jetzt mit Misstrauen angesehen."

Die Zeitung "Huvfudstadsbladet" berichtete über den Skandal unter der Schlagzeile "Finnlands Skisport in Trauerflor" und verlangte ebenfalls in einem politischen Kommentar den Rücktritt der Verbandsspitze. Der finnische Skiverband sagte am Montagvormittag eine in Lahti angekündigte Pressekonferenz zwar ab, musste wenige Stunden später aber als zweiten Dopingsünder den seit Tagen kursierenden Namen Janne Immonen bestätigen.

Der Startläufer der finnischen 4 x 10-km-Staffel war als Einziger aus dem siegreichen Quartett getestet worden. Bei Immonen wurde in A- und B-Probe der verbotene Blutplasma-Expander HES nachgewiesen, der den Hämoglobinwert des Blutes drückt. Immonen wird für zwei Jahre gesperrt, Finnland verliert Gold, das deutsche Quartett rückt hinter Norwegen und Schweden auf Rang drei vor. Bereits zu Beginn der WM war der Skilangläufer Jari Isometsä des Dopings überführt worden.

Skilanglauf gehört in Finnland fest zum winterlichen Alltag für die meisten der 4,5 Millionen Einwohner. Entsprechend ist in Suomi die Begeisterung. Dass die eigenen Athleten in den neunziger Jahren fast immer hinter den Nachbarn aus Norwegen herliefen, wurmte die Sportfans. Da halfen auch die Erfolge des zweimaligen Formel-1- Weltmeisters Mika Häkkinen wenig.

Fassungslos lasen die Finnen nach dem Abschluss der WM dann auch noch, dass Mannschaftsarzt Juha-Pekka Turopeinen an einer Tankstelle seine mit Dopingpräparaten gefüllte Tasche stehen ließ. In der Tasche befanden sich verbotene Dopingmittel, blutige Spritzen sowie mehrere Gefäße, die von Turopeinen beschriftet worden waren. Wie Anneli Mattsson, Chef-Inspektorin der Polizei von Helsinki, dem Blatt erklärte, hätten die Beamten die Tasche am 20. Februar entgegengenommen. Einen Tag später habe der finnische Cheftrainer Kari-Pekka Kyrö die Tasche bei der Polizei abgeholt und beteuert, nichts über den Inhalt zu wissen.

Turopeinen trat nach Bekanntwerden des zweiten finnischen Dopingfalls zusammen mit dem anderen Mannschaftsarzt Pirkka Mäkelä zurück. Offizielle Begründung: "Wir sorgen uns um unseren beruflichen Ruf." Die Läufer hätten sie "hintergangen" und das Vertrauensverhältnis zerstört, erklärten die Ärzte.

Mit der Ankündigung von Sanktionen reagierten auch Sponsoren und die finnische Regierung. Sportministerin Suvi Linden kündigte an, dass die jährlichen Staatszuschüsse von 4,6 Millionen Finnmark (1,2 Millionen Mark) für den Skiverband drastisch gekürzt werden. Man wolle damit den Spitzensport, nicht aber die Jugend- und Breitenarbeit treffen, sagte die Sportministerin: "Es ist für jedermann offensichtlich, dass der Skiverband seine Verantwortung nicht wahrgenommen hat. Daraus ergibt sich zwangsläufig, dass die staatliche Unterstützung reduziert wird."

Die Hauptsponsoren der nordischen Skimannschaft kündigten ebenfalls konkrete Schritte an. Es gilt in Helsinki als sehr wahrscheinlich, dass alle Sponsorengelder in Höhe von zusammen 20 Millionen Finnmark (sieben Millionen Mark) jährlich eingefroren oder gestrichen werden. Mit diesem Geld wurden bisher zwei Drittel des Verbandsetats gedeckt. Die Sponsoren hatten bei der Abschluss-Pressekonferenz des finnischen Verbandes bei der WM in Lahti bereits Tafeln mit ihren Firmenlogos zuhängen lassen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben