Dopingfall Ahmet Coskun : Vorsatz oder Dummheit?

Das deutsche Paralympics-Team beklagt den ersten Dopingfall seit den Winterspielen 2002 von Salt Lake City. Rollstuhlbasketballer Ahmet Coskun wurde positiv auf ein Haarwuchsmittel getestet.

Annette Kögel[Peking]
Paralympics 2008 - Pressekonferenz Deutsches Team
Ratlosigkeit im deutschen Team. Sportarzt Jürgen Kosel und der "Chef de Mission", Karl Quade (r.) können sich den Dopingfall...Foto: dpa

Im besten Falle ist es ein dummer Fehler eines eitlen jungen Mannes. Im schlimmsten das bewusste Vergehen eines Sportlers, der Monate lang eine verbotene Substanz eingenommen hat, um damit Dopingmittel zu kaschieren. In jedem Fall musste ein Mitglied der deutschen Paralympics-Nationalmannschaft noch am Mittwoch wegen eines Doping-Vergehens seine Koffer packen: Bei Ahmet Coskun, Rollstuhlbasketballer, hat die Nationale Doping-Agentur (NADA) im Urin den Wirkstoff Finasterid nachgewiesen. Damit hat die deutsche Paralympicsmannschaft seit den Spielen in Salt Lake City 2002 den ersten Dopingfall. Der Stoff ist in Haarwuchsmitteln enthalten und steht auf der Liste der verbotenen Substanzen. Nach Auskunft des Mannschaftsarztes Jürgen Kosel bewirkt Finasterid selbst keine Leistungssteigerung, es kann allerdings leistungssteigernde Dopingmittel verschleiern.

"Die Probe stammt vom 23. August, sie wurde während eines Paralympics-Vorbereitungslehrgangs gezogen", sagte Karl Quade, Chef des Mission des deutschen Teams. „Der NADA-Befund hat uns alle schockiert, zumal wir seit Jahren bei allen Sportärzten und Athleten-Veranstaltungen Präventionskampagnen fahren“. Die Probe stamme zwar nicht aus der Zeit der aktuellen Wettkämpfe, doch sei nicht auszuschließen, dass der kurdischstämmige Flügelspieler das Mittel bis jetzt während der Spiele eingenommen hat. „Das Ganze ist um so ärgerlicher, weil man auf der NADA-Seite im Internet genau die Einnahme dieser Haarwuchspillen als Negativ-Beispiel präsentiert bekommt“, sagte Mediziner Kosel.

Deutscher Rollstuhlbasketballer Coskun positiv getestet - Heimreise
Nichts mehr zu lachen. Dopingsünder Ahmet Coskun wurde von der Teamleitung nach Hause geschickt.Foto: dpa

Substanzen anderer Dopingmittel wurden bei Coskun nicht festgestellt, dies sei bei anderen Finasterid-Tests bei Sportlern durchaus der Fall gewesen. Dennoch könne Doping nicht ausgeschlossen werden, denn das sei nun mal auch Sinn der Einnahme, eben diese Subtanzen zu verschleiern. „Ich habe an meine Haare gedacht und hatte keine Ahnung, dass das Haarwuchsmittel eine verbotene Substanz enthält. Ich bin völlig bestürzt, Doping ist mir nie in den Sinn gekommen“, sagte der nach einer Krebserkrankung oberschenkelmputierte Sportler, der in Hamburg zuhause ist.

Keine Auswirkungen für die Mannschaft

Bei den Paralympics wurden bislang rund 700 Dopingtests vorgenommen, ein pakistanischer Gewichtheber wurde positiv getestet. Für Athleten mit Behinderungen gelten die gleichen Testverfahren und Vorschriften wie bei den nichtbehinderten Olympioniken. Auf die Ergebnisse der Rollstuhlbasketballer, die am Mittwoch gegen den Iran gewannen und auf Platz drei der Tabelle ihrer Vorrundengruppe liegen, wird das Vergehen keine Auswirkungen haben. Dennoch trübe das Ergebnis die Stimmung enorm. Quade: „Ich bin stinksauer, die Mannschaftskameraden sind entsetzt.“

Der Fachbereichsleiter Basketball des deutschen Teams, Ulf Mehrens, beschreibt Coskun als „recht eitlen Menschen“. Er nehme es ihm ab, dass es ihm ausschließlich um das Frisieren des Aussehens und nicht der Leistung ging. Der Verstoß wird für den 33-Jährigen Sportler, wie fast alle Paralympioniken Amateur und Arbeitnehmer, sicher auch beruflich ein Nachspiel haben: Ahmet Coskun hat gerade sein Jura-Studium und sein Referendariat abgeschlossen. Da schmückt ein Doping-Vergehen den Lebenslauf ganz und gar nicht.

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