Sport : Dopinggesetz: Bella Italia gilt nicht mehr für Dopingtäter (Kommentar)

Ernst Podeswa

Es bedarf nur des Plazets des römischen Senats, dann hat Italien die schärfsten Antidoping-Gesetze der Welt: Geldstrafen bis zu 100 000 Mark, Gefängnisaufenthalt bis zu sechs Jahren, empfindliche Sanktionen auch gegen ertappte Sportler. Der Katalog verheißt so drastische Reaktionen, dass Dealer, Ärzte, Trainer, Funktionäre anderer Regionen Gott oder dem Papst danken dürften, nicht in "bella Italia" beheimatet zu sein.

Die Initiative des italienischen Parlaments zeigt, wie bedrohlich die Auswüchse des Dopingmissbrauchs jenseits der Alpen empfunden werden. Und wie unzufrieden man mit den bisherigen Bemühungen der Verbände unter den Fittichen des für den Leistungssport und die Dopingtests zuständigen Nationalen Olympischen Komitees (Coni) war. Nun haben die Volksvertreter Italiens die Nase voll und dem Coni kurzerhand die Zuständigkeit entzogen. Getreu dem demokratischen Motto "Wer eine gesellschaftliche Bewegung leitet, sollte nicht zugleich die Kontrolle ausüben." Denn da sind Interessenkonflikte programmiert. Welcher Sportverband ist schon bereit, Macht und Einfluss aufzugeben und seine Aushängeschilder konsequent zu bestrafen? Eine Konstellation, die auch für den deutschen Sport gilt. Hochrangige Funktionäre hierzulande haben eine staatliche Federführung im Antidoping-Kampf bislang mit dem Hinweis auf die "Autonomie des Sports" abgelehnt. Und das Dopingkontrollsystem als das beste weltweit verkauft. Das ist passé und war wohl nie der Fall.

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