Sport : Dopinggesetz: Italien beschließt härtestes Gesetz der Welt

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Der italienische Staat hat den Dopingsündern mit dem härtesten Dopinggesetz der Welt den Krieg erklärt. "Wer dopt, landet im Gefängnis", titelte die Tageszeitung "La Repubblica". Und das bis zu sechs Jahre lang. Das Abgeordnetenhaus hat das Gesetz am Mittwochabend mit der Regierungsmehrheit verabschiedet. Folgt in der nächsten Woche - wie allseits erwartet - die Zustimmung des Senats, wird Doping in Italien noch vor den Olympischen Spielen in Sydney zur Straftat. Wer dopt oder gedopt ist, wird zum Kriminellen. Dopingbekämpfung ist dann Staatssache. Das Nationale Olympische Komitee Italiens (Coni) ist enteignet. Das Gesundheitsministerium hat die Dopingkontrollen komplett an sich gerissen.

Anders als in Frankreich bestraft Italien nicht nur diejenigen, die Dopingmittel verabreichen oder in Umlauf bringen, sondern auch die Sportler. Neben Geldstrafen von bis zu 100 000 Mark sieht das Gesetz Haftstrafen von drei Monaten bis zu drei Jahren vor. In den Augen der Politiker sind gedopte Sportler nicht nur Opfer, sondern auch Täter. Sie betrügen durch leistungssteigernde Mittel ihre Konkurrenten. Die Politik folgt damit den Vorstellungen der italienischen Justiz, die den unter Blutdopingverdacht stehenden Radstar Marco Pantani bereits wegen Sportbetrugs angeklagt hat.

Schärfer noch als die Sportler werden aber die Hintermänner bestraft. 150 000 Mark Geldstrafe und zwei bis sechs Jahre Haft drohen Trainern, Betreuern und Medizinern, die Sportler dopen oder verbotene Mittel beschaffen. Sind die Sportler minderjährig, verschärfen sich die Sanktionen deutlich. Für die Politiker ist die Verabreichung von gesundheitsgefährdenden Mitteln nämlich nichts anderes als Körperverletzung oder gar Totschlag. Die Staatsanwaltschaft in Turin untersucht bereits alle verdächtigen Todesfälle von Radprofis in den letzten Jahrzehnten, die möglicherweise die Spätfolge von Doping gewesen sein könnten. Italien folgt hier der deutschen Linie, die mit dem verschärften Gesetz gegen Medikamentenmissbrauch vor allem die Dealer treffen will.

Dass die Dopingbekämpfung aus den Händen der Sportverbände in die des Staates übergeht, ist das eigentlich Revolutionäre des Dopinggesetzes in Italien. "Die Zeiten sind vorbei, in denen sich das Coni selbst kontrolliert hat", sagte die Präsidentin der Sozial-Kommission der Abgeordnetenkammer, Marida Bolognesi. Das Coni war durch die Skandale um sein vom IOC vorübergehend geschlossenes Doping-Kontrolllabor ins Zwielicht geraten. Der Ruf nach der Politik war immer lauter geworden, zumal das von einem Defizit von 148 Millionen Mark belastete Coni ohnehin von der Regierung abhing.

"Jetzt hat das Land ein Instrument für den Kampf gegen ein beunruhigendes Phänomen", begrüßte Sportministerin Giovanna Melandri das neue Gesetz. Das Instrument ist da, jetzt muss es für den Einsatz vorbereitet werden. Eine 20-köpfige Kommission des Gesundheitsministeriums, in die auch Sportler, Trainer und Sportmediziner berufen werden sollen, wird die Dopingbekämpfung übernehmen. Zunächst gilt es eine neue Liste der verbotenen Mittel zu erstellen. Diese werde alle sechs Monate aktualisiert, berichtete "La Repubblica". Dann entscheide die Kommission über die Art und den Umfang der Kontrollen, die von staatlichen Stellen durchgeführt werden. Auch die Analysen der Kontrollen übernimmt der Staat. Den Sportverbänden werden nur noch die positiven Dopingfälle mitgeteilt, damit sie sportliche Sperren aussprechen können.

Auch bei den Olympischen Spiele droht eine Gefängnisstrafe wegen Dopings. Das Parlament des australischen Bundesstaates Queensland verabschiedete ein entsprechendes Gesetz, das für den Handel mit leistungssteigernden Sustanzen ein verschärftes Strafmaß vorsieht. Wer mit anabolen Steroiden erwischt wird, kann nach dem neuen Gesetz hinter Gittern landen. Das trifft auch für die über 150 Teams aus 31 Nationen zu, die sich in australischen Trainingslagern vorbereiten werden.

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