Dopingkontrollen : Bluttests für alle!

Der Pharmakologe und Experte im Kampf gegen Doping, Fritz Sörgel, fordert bessere Kontrollen bei der Leichtathletik-WM.

Fritz Sörgel
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Fritz Sörgel ist Pharmakologe, Dopingexperte und Leiter des Instituts für Pharmazeutische ForschungFoto: dpa

Bundeskanzlerin, Bundespräsident, der Regierende Bürgermeister und natürlich der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes – sie alle mahnen Fairness an, was heute gleichbedeutend mit dem Verzicht der Sportler auf Doping ist. Auch IOC-Präsident Rogge fordert das und geißelt die fehlenden Bluttests in Afrika und Russland – ein Umstand, der von deutschen Medien aufgedeckt wurde und ihm angeblich nicht bekannt war.

Noch seltsamer als das Fehlen der Bluttests rund um die Welt ist aber etwas anderes: Warum starten in Berlin gerade 2000 Sportler einer des Dopings verdächtigen Sportart, müssen aber diese Tests nicht zumindest hier öfter fürchten? Wir hören von 1400 Dopingtests bei der WM, die sich bei genauerem Hinschauen als 1000 herausstellen, weil etwa 400 Tests reine Vortests sein sollen.

Nur die Sieger und einige zufällig oder gezielt ausgesuchte Sportler bei der Leichtathletik-WM zu untersuchen, ist zu wenig. Wie sehr hätte der deutsche Sport da Herrn Rogge imponieren können, indem man die Zahl der Blutdopingtests auf ein technisch-logistisches und dennoch leicht finanzierbares Hoch gebracht hätte? Wie kritikwürdig und unentschuldbar die vertane Chance ist, zeigen nachfolgende Berechnungen.

Gut 2000 Athleten sollen sich in Berlin befinden – eine große Chance, sich einen echten weltweiten Überblick zu verschaffen, wie sich das mit dem Blut- und Epodoping verhält. Afrikaner, Russen und alle anderen Länder, die angeblich aus Kosten- oder logistischen Gründen nicht testen, könnten in Berlin unter den Radar des Bluttests kommen. Das wäre ein Highlight für jeden ernsthaften Anti-Dopingkämpfer. Will man uns wirklich weismachen, dass es unvernünftig wäre, die Gelegenheit einer WM zu nutzen, um sich einen globalen Überblick über seine Sportart zu verschaffen? Bei anderen Veranstaltungen mit Beteiligung vieler Länder geht es doch auch, selbst bei der Tour de France.

Eine solche große Testreihe hätte viele Vorteile. Die sonst üblichen Transportkosten, die erheblich sein können und gerne als Grund angeführt werden, warum in Afrika keine Tests möglich sein sollen, schrumpfen zu kleinen Eurobeträgen, wenn man die kurzen Distanzen in Berlin berücksichtigt. Davon abgesehen, wären natürlich auch in Afrika kleine Handgeräte zu Spottpreisen einsatzfähig. Blutmessgeräte sind heute so zuverlässig, dass man Proben nicht Hunderte von Kilometern durch die Republik oder gar nach Lausanne schippen muss. Jedes Labor einer größeren Uniklinik in Deutschland macht ein Vielfaches an Blutmessungen eines Dopinglabors. Sie würden sogar mitten im Olympiastadion problemlos funktionieren. Und noch etwas: 2000 Blutproben, vielleicht zweimal während der WM gemessen, erfordern nicht mehr als vier oder fünf bezahlte Arzthelferinnen sowie zwei von der Nationalen Anti-Doping-Agentur beauftragte Kontrolleure. Und Ärzte, die ehrenamtlich das Prozedere überprüfen, sollte es geben. Der Vorteil wäre, dass man einen echten Vergleich weltweit durchführen könnte, der nicht durch zu viele Probleme bei der Messung in verschiedenen Laboren gestört wird und der ein ernstes Problem bei der Blutanalyse ist. Siehe den Fall Pechstein.

Das alles macht Gesamtkosten von 30 000 Euro – also das Siegerhonorar für einen Goldmedaillengewinner.

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