Sport : Dopingpläne belasten Springstein

Der Trainer will nie mehr Leichtathleten betreuen

Friedhard Teuffel

Berlin - Ins Zwielicht ist Thomas Springstein schon oft geraten, nur überführt worden ist der Leichtathletiktrainer bisher nicht. Einen neuen Versuch unternimmt gerade die Staatsanwaltschaft Magdeburg, sie hat gegen Springstein Anklage erhoben wegen der Vergabe von Dopingmitteln an Minderjährige. Der Trainer bestreitet alle Vorwürfe. Es wird eine harte Auseinandersetzung, denn die Staatsanwaltschaft hat gegen den 47-jährigen Springstein mehr belastendes Material vorliegen als bislang bekannt.

Als im September des vergangenen Jahres Polizisten das Haus von Springstein vor den Toren Magdeburgs durchsuchten, fanden sie nicht nur Andriol-Tabletten, die den Dopingwirkstoff Testosteron-Undecanoat enthalten. Sie stellten auch Listen mit Vergabezyklen von Dopingmitteln sicher, also Pläne zur Abstimmung von Dopingmitteln auf den Trainingsprozess. Das bestätigte jetzt Springsteins Rechtsanwalt Peter-Michael Diestel dem Tagesspiegel am Sonntag: „Diese Pläne hat er sich schicken lassen, um die Verweildauer der Mittel im Körper zu studieren. Ein Trainer kann auch im Grenzbereich forschen, dass muss ein Spitzentrainer sogar tun.“

Es ist diese Arbeit im Grenzbereich, die Springstein so umstritten macht. Bei den von ihm trainierten Athletinnen Katrin Krabbe und Grit Breuer wurde 1992 bei einer Trainingskontrolle Clenbuterol nachgewiesen. Diese Substanz wirkt muskelbildend wie ein anaboles Steroid, stand aber nicht auf der Dopingliste. Krabbe und Breuer wurden daher nicht wegen Dopings, sondern wegen Medikamentenmissbrauchs gesperrt. Das Amtsgericht Magdeburg wird nun klären, ob Springstein diesmal die Grenzen des Erlaubten überschritten hat. Das Arzneimittelgesetz sieht für die Dopingvergabe in besonders schweren Fällen sogar eine mehrjährige Haftstrafe vor. Der Prozess vor dem Amtsgericht wird frühestens Ende November beginnen, vielleicht sogar erst Anfang des nächsten Jahres.

Die wichtigste Zeugin ist dabei Anne-Kathrin Elbe. Sie gehörte zu Springsteins Trainingsgruppe beim SC Magdeburg, inzwischen ist sie jedoch zu Bayer Leverkusen gewechselt. „Sie hat nicht selbst Dopingmittel eingenommen, deshalb tritt sie nicht als geschädigte Nebenklägerin auf, sondern als Zeugin“, sagt Joachim Strauss, der Elbes Interessen vor Gericht vertritt und Justiziar von Bayer Leverkusen ist. Neben Elbe hat das Amtsgericht nach seiner Auskunft eine „Vielzahl von Zeugen“ benannt, auch aus der Magdeburger Trainingsgruppe.

Springsteins Anwalt Diestel bestreitet jedoch Elbes Aussage: „Herr Springstein wird verdächtigt, ein plumpes Dopingmittel gegeben zu haben, das auf jeden Fall leicht nachgewiesen werden könnte. Das ist doch unglaubwürdig.“ Dirk Clasing, der medizinische Experte der Nationalen Anti-Doping-Agentur, hält Andriol allerdings für ein attraktives Mittel zur Manipulation. „Je nach Anwendung kann es sich schnell abbauen und daher nur kurze Zeit im Körper nachgewiesen werden.“

Diestels Verteidigung zielt darauf ab, Springstein als Bodybuilder darzustellen, der Andriol selbst genommen habe. Konsum und Besitz von Dopingmitteln seien nun einmal nicht verboten. „Von der Einnahme von Dopingmitteln bis zur Vergabe ist es ein Riesenschritt. Man muss sich Herrn Springstein nur einmal ansehen. Solche Muskeln bekommt man nicht nur durch Training“, sagt Diestel.

Als Konsequenz aus den Ermittlungen war Springstein vom SC Magdeburg suspendiert worden, 800-Meter-Olympiasieger Nils Schumann hatte sich von ihm getrennt. Inoffiziell trainiert er weiterhin seine Lebensgefährtin Grit Breuer. Eine offizielle Aufgabe in der Leichtathletik will Springstein aber nicht mehr übernehmen. „Das ist auch nicht verwunderlich“, sagt er. Wie seine Zukunft ohne Leichtathletik aussieht, darüber möchte er jetzt noch nicht reden.

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